Der chinesische Künstler und Bürgerrechtler Ai Weiwei hat die Regierung in Peking erneut provoziert. In einem Kommentar im US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" griff er die chinesischen Behörden an.

Zwei Monate nach seiner Entlassung schießt Ai Weiwei wieder scharf gegen die chinesische Regierung© Reuters
Gut zwei Monate nach seiner Haftentlassung hat der chinesische Dissident und Friedensnobelpreisträger Ai Weiwei sich erstmals in der internationalen Presse geäußert und die Justiz seines Landes als unberechenbar kritisiert. "Das Schlimmste in Peking, einer "Stadt der Gewalt" ist, dass das Rechtssystem nicht vetrauenswürdig ist", schrieb der 54-Jährige in der neuen Ausgabe des US-Magazins "Newsweek". Seine Festnahme im April habe ihm deutlich gemacht, dass er nur eine Nummer in einem anonymen System sei, "das uns Grundrechte verweigert".
"Es gibt viele geheime Orte, an die Menschen ohne Identität gebracht werden, ohne Namen, nur mit Nummern versehen", kritisierte Ai. Nur die eigenen Familien bemerkten überhaupt, wenn jemand verschwinde, erhielten aber von den Behörden keine Informationen, wenn sie nachfragten. "Peking ist ein Albtraum, ein dauerhafter Albtraum", schrieb der Künstler. Während seiner Haft habe seine Frau in Briefen und Anrufen "täglich" nach seinem Aufenthaltsort gefragt, aber keine Antworten bekommen.
Ai Weiwei wurde im März am Pekinger Flughafen verhaftet und 80 Tage festgehalten. Erst im Juni wurde er auf Kaution freigelassen. Ihm wird Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Aus Sicht seiner Familie diente der Vorwurf aber nur dazu, den Regimekritiker zum Schweigen zu bringen. Es sind kaum Details über seine Haft bekannt.
Vor seiner Festnahme hatte er die Führung Chinas unter anderem als "Gangster" bezeichnet. Wegen guter Führung und aus gesundheitlichen Gründen wurde Ai am 22. Juni unter Auflagen freigelassen. Er soll Steuerhinterziehung eingeräumt und sich zu Nachzahlungen bereit erklärt haben. Ohne Erlaubnis darf er Peking derzeit nicht verlassen und keine Interviews geben.
Ai Weiwei darf sich auch nicht mehr politisch äußern. "Durch meinen Leidensweg habe ich verstanden das es [hier] viele versteckte Orte gibt, wo Menschen ohne Identität hingebracht werden. Ohne Namen, nur eine Nummer", schrieb der Künstler, wohl ein Hinweis auf seine Haft und die ihm von den Behörden auferlegten Beschränkungen.