Der bis vor kurzem größte Handybauer der Welt streicht tausende Stellen: Nokia will bis Ende 2013 weltweit bis zu 10.
Der bis vor kurzem größte Handybauer der Welt streicht tausende Stellen: Nokia will bis Ende 2013 weltweit bis zu 10.000 Jobs abbauen, wie der kriselnde finnische Konzern mitteilte. In Deutschland schließt Nokia den Standort Ulm, betroffen sind dort gut 700 Beschäftigte.
Schließen will Nokia zudem seine Standorte im kanadischen Burnaby und im finnischen Salo. Der Stellenabbau sei nötig, um Kosten zu sparen und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, erklärte Nokia-Chef Stephen Elop. Dazu müssten Personal abgebaut und Standorte geschlossen werden. Mit dem nun angekündigten Jobabbau spart Nokia demnach ab Ende 2013 1,6 Milliarden Euro. Elop baut den Konzern bereits seit gut einem Jahr um. Auch das Management stellt er dabei in weiten Teilen neu auf.
In Deutschland will der Konzern zum 30. September sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Ulm schließen. Derzeit arbeiten dort noch rund 730 Beschäftigte, wie ein Sprecher von Nokia Deutschland sagte. Sie forschen zu klassischen Handys - Nokia will in Zukunft aber verstärkt Smartphones anbieten. Das Unternehmen hat den Angaben zufolge bereits Gespräche mit den Vertretern der Arbeitnehmer in Ulm eingeleitet.
Derzeit arbeiten hierzulande noch gut 1500 Menschen für das Unternehmen. "Deutschland bleibt ein ganz wichtiger Forschungs- und Entwicklungsstandort für Nokia", sagte der Sprecher. An Bedeutung gewinnen dürfte demnach vor allem der Standort in Berlin mit seinen über 600 Mitarbeitern. Dort werden sogenannte ortsbezogene Dienste für Smartphones entwickelt. Weitere Standorte hat Nokia in Ratingen bei Düsseldorf und in Schwalbach bei Frankfurt am Main.
Nokia hatte für das erste Quartal katastrophale Zahlen vorgelegt: Der Konzern machte fast eine Milliarde Euro Verlust, der Umsatz ging um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Am Donnerstag erklärte der Konzern, er werde "die Zukunft von Aktivitäten jenseits des Kerngeschäfts genau untersuchen". Das Unternehmen bestätigte den Verkauf der Luxushandy-Marke Vertu an den Investor EQT VI. Vertu bietet seit 1998 Edelhandys an, die mit Diamanten und anderen Edelsteinen besetzt sind. Das Einsteigermodell Constellation kostet rund 4000 Euro.
Nokia war bis vor kurzen weltgrößter Handyhersteller. Das Unternehmen verschlief aber zunächst die Entwicklung der intelligenten Smartphones und setze noch lange auf sein Handy-Betriebssystem Symbian, das nicht für die modernen Multimediahandys zugeschnitten ist. Mittlerweile ist der Handybauer eine Allianz mit dem US-Softwareriesen Microsoft eingegangen und setzt auf dessen Smartphone-Betriebssystem Windows Mobile. Konzernchef Elop arbeitete vorher bei Microsoft.
Erst kürzlich verlor Nokia nach 14 Jahren die Weltmarkt-Führerschaft als Handyhersteller an Samsung. Der südkoreanische Elektronikriese ist besonders mit seinen Smartphones erfolgreich. Er setzt dabei vor allem auf das Google-Betriebssystem Android.