Die Arabische Liga berät heute in Kairo über den Konflikt in Syrien. Dabei soll nach Diplomatenangaben die Schaffung der sogenannten Kontaktgruppe der Freunde Syriens angestoßen werden. Ziel der Gruppe soll es demnach sein, angesichts der blutigen Niederschlagung der Proteste den Druck auf die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad zu erhöhen, internationale Unterstützung für die Pläne der Arabischen Liga zu zeigen sowie die Zusammenarbeit mit der syrischen Opposition zu intensivieren.
Daneben soll ein Sondergesandter für Syrien ernannt werden. Nach dem erneuten Scheitern einer UN-Resolution zu Syrien am Veto Russlands und Chinas hatte die Arabische Liga erklärt, sich weiter um eine Beilegung des Konflikts bemühen zu wollen.
Die Gewalt in Syrien hat nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Samstag mehr als 30 Menschen das Leben gekostet. Unter den Opfern sind erneut zahlreiche Zivilisten, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH) mitteilte. Allein in der Protesthochburg Homs seien mindestens zehn Zivilisten getötet worden, neun davon im Stadtviertel Baba Amr, wo die Armee von Panzern aus geschossen habe.
In Homs seien seit Beginn der Offensive am 4. Februar mindestens 500 Menschen getötet worden, sagte OSDH-Chef Rami Abdel Rahman. Die Armee habe dort auch am Samstag schwere Artillerie eingesetzt, wenn auch in abgeschwächter Form. Nach Angaben des Oppositionsaktivisten Hadi Abdallah plünderten Polizisten und Soldaten im wohlhabenden Viertel Inschaat in Homs "Computer, Fernseher, Haushaltsgeräte und sogar Decken".
In der Region um Daraa im Süden des Landes wurden laut OSDH sechs Zivilisten von Soldaten getötet. Bei Kämpfen seien fünf Soldaten und zwei Deserteure getötet worden. Ein Oppositioneller sei in der Hauptstadt Damaskus getötet worden. Drei weitere Zivilisten wurden den Angaben zufolge bei einer Offensive der Armee in Sabadani nahe Damaskus getötet. Bei Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren in Duma nahe Damaskus seien zudem drei Soldaten ums Leben gekommen. In Damaskus wurde am Samstag nach Angaben staatlicher Medien zudem der General Issa al-Chawli erschossen.
In der Wirtschaftsmetropole Aleppo, wo am Freitag bei zwei Anschlägen auf den Geheimdienst und die Sicherheitskräfte 28 Menschen getötet und 235 weitere verletzt worden waren, wurden am Samstag nach Angaben eines Oppositionsaktivisten vor Ort Panzer und Scharfschützen positioniert.
In der nordlilbanesischen Stadt Tripoli stieg die Zahl der bei Auseinandersetzungen verfeindeter Syrer getöteten Menschen auf drei, nachdem ein 17-jähriges Mädchen seinen Verletzungen erlag. Bei den anderen beiden Todesopfern handelte es sich um einen Sunniten und einen Alawiten, sagte ein Sicherheitsvertreter. 23 Menschen seien verletzt worden, darunter zehn Soldaten. Die alawitischen Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad und die sunnitischen Assad-Gegner hatten sich in Tripoli seit Freitag mit Gewehren und Granatwerfern beschossen.
Der Chef des Terrornetzes El-Kaida, Aiman al-Sawahiri, bekundete in einem Internetvideo seine unterstützung für die Revolte in Syrien. In dem Video mit dem Titel "Vorwärts, Löwen von Syrien" beschuldigt Sawahiri die syrische Führung der Verbrechen gegen ihre Bürger, wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte.
Das am Samstag eingestellte achtminütige Video zeigt demnach den El Kaida-Chef vor einem grünen Vorhang, wie er alle Muslime in der Türkei, in Jordanien und dem Libanon dazu aufruft, die Rebellion gegen das "anti-islamische Regime" in Damaskus zu unterstützen. An die Syrer appelliert er laut SITE, den westlichen oder arabischen Regierungen nicht zu vertrauen. Diese wollten nur eine von ihnen abhängige Regierung in Damaskus installieren.