Armee übernimmt Kontrolle in ägyptischer Stadt Port Said

27. Januar 2013, 13:58 Uhr

Nach den blutigen Ausschreitungen mit mehr als 30 Toten in Port Said hat die Armee die Kontrolle über die ägyptische Hafenstadt übernommen.

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Nach den blutigen Ausschreitungen mit mehr als 30 Toten in Port Said hat die Armee die Kontrolle über die ägyptische Hafenstadt übernommen. Soldaten bewachten öffentliche Gebäude und sensible Orte, während tausende Menschen die Opfer vom Vortag zu Grabe trugen. Die Gewalt war am Samstag eskaliert, nachdem ein Gericht 21 Todesurteile gegen Fußballfans wegen der tödlicher Krawalle in Port Said im vergangenen Jahr verhängt hatte.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kairo wurden bei den Ausschreitungen in Port Said 31 Menschen getötet. Sie dauerten in der Nacht zum Sonntag an, Ärzten zufolge wurden alle Opfer mit scharfer Munition getötet. Die Armee gab an, keine derartige Munition eingesetzt zu haben.

Am Sonntag war die Lage in Port Said weiter angespannt. Eine Panik brach aus, als während der Beerdigung von Opfern Schüsse zu hören waren, deren Ursprung jedoch unklar war. Laut Staatsfernsehen waren bei den Beerdigungen keine Sicherheitskräfte zugegen.

Die Krawalle waren am Samstag kurz nach Bekanntwerden des Richterspruchs gegen die Fußballfans ausgebrochen. Angehörige der Verurteilten versuchten, deren Gefängnis zu stürmen. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören. Am Gerichtsort in Kairo brach nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der Krawalle von 2012 aus.

In Suez versuchten Demonstranten laut Augenzeugen, das Hauptquartier der Polizei zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas sein. Am Freitag waren in der Stadt bei gewaltsamen Protesten anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak acht Menschen getötet worden. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen, darunter auch in Kairo.

Wegen der Ausschreitungen nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said im Februar 2012 hatten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten müssen, darunter neun Polizisten. Die Urteile gegen weitere Angeklagte sollen am 9. März fallen.

Die damaligen Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt.

Das größte Oppositionbündnis Nationale Heilsfront drohte mit einem Boykott der nächsten Parlamentswahl, sollte die islamistische Regierung nicht eine "umfassende Lösung" für eine Beilegung der politischen Krise finden. Der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz von Staatschef Mohammed Mursi rief zur Ruhe und zu einem nationalen Dialog auf.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, er sehe "mit Sorge", dass es nicht gelinge, "die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen".

AFP