Zum 66. Holocaust-Gedenktag hat der Bundestag ein besonderes Augenmerk auf die Verfolgung von Sinti und Roma gelegt. Lange Zeit sei außer Bewusstsein geblieben, in welchem Maß die Bevölkerungsgruppe unter den Nationalsozialisten leiden mussten.
Der Bundestag hat am Donnerstag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Verfolgung der Sinti und Roma gelegt. In welch schrecklichem Ausmaß auch Angehörige dieses Volkes verfolgt worden seien, sei lange Zeit außerhalb des öffentlichen Bewusstseins geblieben, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei der Gedenkstunde im Parlament. "Umso wichtiger ist es, dass wir uns an sie erinnern." Noch heute fühlten sich viele Sinti und Roma diskriminiert und stigmatisiert, auch in Deutschland.
Bis heute seien die Sinti und Roma die größte und "zugleich die wohl auch am meisten diskriminierte Minderheit Europas", sagte Lammert. Er begrüße es daher, dass sich Ungarn während seiner EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2011 für eine Verbesserung ihrer Situation einsetzen wolle.
Der Bundestagspräsident bekräftigte, dass die Nachgeborenen die Schrecken der Geschichte nicht vergessen dürften, sondern die Erinnerung an sie bewahren und die Lehren aus ihr auch in Zukunft ziehen müssten. "Die Opfer verpflichten uns, alle Formen von Diskriminierung und Intoleranz zu ächten und jeder Art des Hasses und der Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten", sagte Lammert.
Der niederländische Holocaust-Überlebende Zoni Weisz, der als erster Vertreter von Sinti und Roma bei der seit 1996 existierenden Gedenkstunde im Bundestag sprach, bezeichnete die Verfolgung seines Volkes durch die Nationalsozialisten als "vergessenen Holocaust". Die Medien hätten diesem Thema wenig Aufmerksamkeit gewidmet, in vielen Gedenkreden sei in keiner Weise an das Schicksal der Sinti und Roma erinnert worden. Die Gesellschaft habe fast nichts daraus gelernt, sonst würde sie heute verantwortungsvoller mit uns umgehen", sagte Weisz.
Weisz verwies zugleich darauf, dass Sinti und Roma bis heute vor allem in osteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien noch immer menschenunwürdig behandelt würden. Deshalb kämen viele von ihnen nach Westeuropa, wo sie in Ländern wie Italien oder Frankreich aber wieder diskriminiert würden. Sie müssten in Ghettos leben und würden des Landes verwiesen. Weisz begrüßte ausdrücklich, dass EU-Justizkommissarin Viviane Reding dies mit deutlichen Worten verurteilt habe. Er hoffe, dass die betreffenden Regierungen immer wieder darauf angesprochen werden.