Bayern schließt zwei Transplantationszentren

15. Mai 2013, 17:13 Uhr

Als eine Konsequenz aus dem Organspendeskandal am Münchner Klinikum rechts der Isar wird Bayern zwei Lebertransplantationszentren schließen.

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Als eine Konsequenz aus dem Organspendeskandal am Münchner Klinikum rechts der Isar wird Bayern zwei Lebertransplantationszentren schließen. Das teilten die Staatsministerien für Gesundheit und Wissenschaft in München bei der Präsentation des Prüfberichts mit. Künftig soll es nur noch drei statt fünf solcher Zentren geben. Im Klinikum rechts der Isar und in Erlangen sollen keine Transplantationen mehr vorgenommen werden, die Standorte bleiben aber als Lebertherapiezentren erhalten. Die Patientenversorgung sei gesichert.

"Die strukturellen Änderungen sollen vor allem Transparenz, Effizienz und neues Vertrauen bringen", erklärte Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU). Der Vorsitzende der Prüfkommission für die Lebertransplantationszentren, Ferdinand Mühlbacher, betonte, drei Zentren seien sowohl bezogen auf eine Gesamtzahl von 160 Lebertransplantationen im Jahr als auch bezogen auf die zu versorgende Fläche ausreichend. "Es macht keinen Sinn, um Patientenzahlen zu konkurrieren, in erster Linie zählt die Ergebnisqualität", erklärte der Experte in München.

Vor einigen Monaten waren am Klinikum rechts der Isar drei Manipulationen bei Lebertransplantationen entdeckt worden. Der Fall steht im Zusammenhang mit einem zuletzt in Göttingen tätigen Mediziner, der zuvor dort und an weiteren Krankenhäusern tätig war. Gegen den Mann ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Dem Prüfbericht der Landesregierung zufolge wurden keine weiteren Fälle von Manipulation außer den bereits bekannten entdeckt. Die Experten hatten alle seit 2007 in Bayern vorgenommenen 896 Lebertransplantationen durchleuchtet.

Bei insgesamt 68 Transplantationen (8,6 Prozent) sei es zu Verstößen gegen Richtlinien gekommen. Bei diesen Fällen gebe es aber keine Hinweise auf systematische oder kriminelle Aktivitäten mit dem Ziel, bestimmte Patienten zu bevorzugen. Vielmehr seien die Verstöße "aus dem ärztlichen Handlungsalltag nachvollziehbar" und ließen auf gewisse Unsicherheiten bei der Interpretation der Ende 2006 modifizierten Lebertransplantations-Richtlinien schließen. Die Mehrzahl der Verstöße sei "medizinisch begründet vorgenommen" worden. Deshalb gelte es auch, die Richtlinien zu reflektieren, erklärte Experte Mühlbacher.

AFP