Belästigungs-Vorwurf: Brüderle erhält Unterstützung

24. Januar 2013, 16:53 Uhr

Ein Pressebericht mit Sexismus-Vorwürfen gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ist bei Liberalen und SPD auf Kritik gestoßen.

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Ein Pressebericht mit Sexismus-Vorwürfen gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ist bei Liberalen und SPD auf Kritik gestoßen. Er halte es für "unprofessionell" und "abwegig", dass eine junge Journalistin, die sich vor einem Jahr belästigt gefühlt habe, dies nunmehr "auskramt", sagte der FDP-Abgeordnete Rainer Stinner im Deutschlandfunk. Die Grünen verlangten von Brüderle eine Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Die Veröffentlichung des Hamburger Magazins "Stern" komme zu dem Zeitpunkt, wo Brüderle als Spitzenkandidat zur Bundestagswahl "eine neue herausragende Position" eingenommen habe, sagte Stinner. Der "Stern" sei dem FDP-Fraktionschef nicht gewogen. "Das ist so durchsichtig und das ist so primitiv, dass ich sage, das fällt eher auf den Journalismus des 'Stern' zurück als auf Herrn Brüderle", sagte Stinner.

In einem im neuen "Stern" veröffentlichten Beitrag berichtet die heute 29-jährige Journalistin Laura Himmelreich von einer Begegnung mit Brüderle von Anfang 2012, bei dem der FDP-Politiker anzügliche Bemerkungen gemacht habe. Er habe ihr auf den Busen geschaut und gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

Kritik an dem Bericht übte auch der SPD-Politiker Sebastian Edathy. "Es zeugt für mich von einem merkwürdigen Berufsverständnis, als Journalistin um Mitternacht an einer Hotelbar ein offizielles Gespräch mit einem Politiker führen zu wollen", sagte der Berliner "taz". Dass das ein nicht-öffentliches Gespräch gewesen sei, liege auf der Hand. Wenn die betroffene Journalistin das Geschehen als übergriffig empfunden hat, hätte sie das schon vor einem Jahr öffentlich machen können", erklärte Edathy.

"Brüderle muss sich zu den Vorwürfen erklären", sagte hingegen Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae zu "Handelsblatt Online". "Es ist völlig egal, ob diese jetzt oder zu einem anderen Zeitpunkt veröffentlicht wurden", Die Vorwürfe stünden im Raum und sollten schnell aufgeklärt oder ausgeräumt werden. "Und dann müssen auch die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen werden", sagte die Grünen-Politikerin.

Der "Stern"-Beitrag stieß wiederum auch bei weiteren FDP-Politikern auf Kritik. "Es ist schade, auf welches Niveau der 'Stern' mittlerweile gesunken ist", sagte der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, zu "Spiegel Online". "Ich wundere mich, dass die junge Journalistin offensichtlich über ein Jahr gebraucht hat, um ihr Erlebnis zu verarbeiten."

"Das riecht nach Inszenierung statt Recherche", sagte der Thüringer FDP-Generalsekretär Patrick Kurth der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". Es gebe für die Darstellung keine Belege und keine Zeugen. "Mir ist unverständlich, warum der Stern so einen für die Berufssparte peinlichen Artikel veröffentlicht", fügte Kurth hinzu.

"Diese Geschichte ist ein Tabubruch", sagte der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) laut "Spiegel Online". "Wer es nötig hat, so etwas als 'Story' zu verkaufen, hat sich von seinem Chefredakteur vor den schmutzigen Karren spannen lassen." Wenn diese Art von Journalismus darauf abziele, "einen Menschen und seine Familie mit einem rücksichtslosen Schlag unter die Gürtellinie zu beschädigen", sei eine "Wegmarke" überschritten worden, sagte die FDP-Bundestagsabgeordnete Elke Hoff laut "Spiegel Online".

AFP