Berliner Geiselnehmer hatte finanzielle Probleme

22. Dezember 2012, 16:23 Uhr

Der Berliner Bank-Geiselnehmer hat sich offenbar durch finanzielle Sorgen zu seiner Tat hinreißen lassen.

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Der Berliner Bank-Geiselnehmer hat sich offenbar durch finanzielle Sorgen zu seiner Tat hinreißen lassen. Der 29-Jährige habe in ersten Vernehmungen von Schulden berichtet, sagte Polizei-Einsatzleiter Jochen Sindberg in Berlin. Aus den Gesprächen mit dem aus Wolfsburg stammenden Mann habe sich das Bild eines Täters ergeben, der sich naiv und ohne gründliche Vorbereitung an die Tat machte und mit der Situation überfordert war.

"Er hat sich vorher nicht so richtig viele Gedanken gemacht", sagte Sindberg. Bei den stundenlangen Verhandlungen mit dem Täter sei klar geworden, "dass er selbst mit der Situation nicht ganz glücklich war". Dem Täter sei wohl selbst nicht klar gewesen, wie er aus der Situation wieder herauskomme: "Konkrete Vorstellungen schien er da nicht zu haben."

Der Wolfsburger hatte am Freitagnachmittag eine Filiale der Deutschen Bank in Berlin überfallen und einen Angestellten als Geisel genommen. Die Polizei schickte rund 300 Einsatzkräfte zum Tatort. In der Nacht ließ der Täter die Geisel frei und ergab sich. Ihm drohen nun mindestens fünf Jahre Haft wegen erpresserischen Menschenraubs.

Im Verlauf der neuneinhalbstündigen Geiselnahme waren die Geldforderungen des Täters laut Polizei ständig gestiegen - von zunächst 100.000 Euro auf eine halbe Million Euro bis auf eine Million Euro. Außerdem verlangte er einen Fluchtwagen. Seinen Forderungen verlieh er Nachdruck mit der Drohung, eine Bombe zu zünden. Die angebliche Bombe entpuppte sich schließlich als drei Kilogramm Mehl. Außerdem hatte der Täter eine Schreckschusspistole dabei.

Der Polizei war laut Einsatzleitung früh klar, dass sie es mit einem unprofessionellen Täter zu tun hatte, der sich durch intensives Verhandeln zum Aufgeben überreden lassen könnte. Die Polizeispezialisten seien bei den Gesprächen mit dem Täter zu der Überzeugung gelangt, "dass seine Gefährlichkeit nicht so groß ist", sagte Sindberg.

Als der Täter die Filiale mit der Schreckschusspistole betrat und die Herausgabe von 100.000 Euro verlangte, habe der Schalterangestellte entgegnet, er müsse sich erst mit seinem Filialleiter besprechen, sagte Sindberg. Der Täter habe dieses Telefonat zugelassen - woraufhin der Filialleiter sofort die Polizei informierte und die anderen Bankangestellten in Sicherheit bringen ließ.

Auf die Frage, ob der Täter naiv vorgegangen sei, erwiderte der Einsatzleiter: "Ein bisschen in diese Richtung würde ich es schon sagen." Der Täter habe mit seiner Tat offenbar "eine besondere Art der Kreditaufnahme" im Sinn gehabt. Bereits am Donnerstag war der Mann mit Überfallabsicht in die Filiale gekommen. "Da ist ihm offenbar die Lust vergangen und er hat's am nächsten Tag gemacht", sagte Sindberg.

Der als Geisel genommene Bankangestellte sei "relativ gefasst und stabil" und werde psychologisch betreut, teilte die Polizei mit. Der Täter habe ihn gut behandelt. Allerdings sei "nun nicht der Zeitpunkt zu sagen, es geht ihm wieder bombig", sagte Sindberg.

Der Täter sollte noch am Samstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Nähere Angaben zur Person wollten Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst nicht machen. Das persönliche Vorleben habe aber eine wichtige Rolle in den Gesprächen der Polizeiexperten mit dem Täter während der Geiselnahme gespielt, sagte der Einsatzleiter. Dabei habe der Täter auch von Erlebnissen als Soldat berichtet. Die Angaben müssten aber noch überprüft werden.

AFP