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5. Januar 2011, 17:41 Uhr

Kopten feiern Weichnachten - zwischen Polizei und Kameras

Besinnlichkeit ade: Zwischen Polizisten und Fernsehkameras haben die koptischen Christen in Frankfurt Weihnachten gefeiert. Angst hatte kaum jemand beim Gottesdienst in Deutschlands größter Gemeinde - andere Vorstellungen vom Fest schon.

Echte Feststimmung kann der künstliche Weihnachtsbaum im Foyer nicht verbreiten. Neben den vielen Fernsehkameras steht die falsche Tanne im Gemeindehaus der koptischen Christen in Frankfurt auf ziemlich verlorenem Posten. Seit dem Anschlag auf eine koptische Kirche in Ägypten mit mehr als 20 Toten vor einer Woche ist in der St.-Markus-Gemeinde nicht mehr an ein gewöhnliches orthodoxes Weihnachtsfest zu denken. Vor der Tür wacht mit einmal die Polizei, drinnen sucht ein Spürhund nach Sprengstoff und eine Horde Journalisten zwängt sich in das kleine Gemeindehaus.

"Sonst ist es ganz ruhig und man geht einfach in die Kirche", sagt Lucia Riad. Sie sitzt neben dem Eingang und begrüßt die Mitglieder der Gemeinde. "Viele haben mir gesagt, dass sie Angst haben und gar nicht wissen, wie man überhaupt hingehen kann." Sie selbst fürchtet sich nicht. Die Polizei ist ja da. Aber was sie von dem Medienrummel halten soll, das weiß sie nicht so recht. Einerseits sei es ja schön, dass auch mal über die Kopten berichtet werde. Aber diesen ganzen Trubel brauche sie zu Weihnachten eigentlich nicht.

Ihr Sohn Michele hat alle Hände voll zu tun. Er ist Diakon der Gemeinde und vom Medieninteresse ziemlich überwältigt. "Die letzten Tage waren wirklich turbulent, so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt er schnell aber freundlich. Dann muss er schon in den Kirchenraum. Die Messe fängt gleich an.

Während er durch eine Tür verschwindet, sitzt eine blonde Frau im Foyer des Gemeindehauses und streichelt ihren Sohn. Er ist vielleicht zehn Jahre alt und schaut aus schüchternen Augen durch seine kleine Brille. Um ihn herum wirbeln Kameras und Fotografen. "Er ist verängstigt", sagt die Mutter, die ihren Namen nicht verraten möchte. "Ich habe ihm erzählt, dass heute einige fremde Menschen da sind, die aber willkommen sind. Aber von der Bedrohung habe ich ihm nichts gesagt." Angst habe sie selber nicht. Aber so einen Rummel kennt sie nur aus dem Fernsehen. "Und erleben möchte ich ihn eigentlich auch nicht."

"Halten Sie bitte die erste Reihe für den Gottesdienst frei." Michele Riad versucht die Kameraleute und Fotografen im Kirchenraum zu dirigieren. An die 30 Journalisten drängen sich in dem kleinen Gemeindehaus, allein vier oder fünf Fernsehteams. Die Polizisten sind alle draußen in den Autos. Ab und an gehen sie zu zweit Streife.

"Das ist kein schönes Gefühl. Wir stehen nicht gerne in der Öffentlichkeit", sagt Morris Mitry, der sich den Gottesdienst ganz anders gewünscht hat. Angst hat auch er nicht. "Aber Weihnachten und Ostern sind unsere höchsten Feiertage, die möchte man in einer anderen Atmosphäre verbringen - und nicht mit Polizei und diesem Rummel." Immerhin, Zwischenfälle gibt es am Abend keine. Auch der falsche Baum funkelt noch, als Michele Riad kurz vor Mitternacht die letzten Interviews gibt. Erschöpft, aber noch immer freundlich.

Max-Morten Borgmann, DPA
 
 
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