Blutige Unruhen in Ägypten wegen Todesurteilen

26. Januar 2013, 14:28 Uhr

Nach der Verhängung von 21 Todesurteilen wegen der Fußballkrawalle im ägyptischen Port Said vergangenes Jahr ist die Hafenstadt von blutigen Unruhen erschüttert worden.

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Nach der Verhängung von 21 Todesurteilen wegen der Fußballkrawalle im ägyptischen Port Said vergangenes Jahr ist die Hafenstadt von blutigen Unruhen erschüttert worden. Angehörige der Verurteilten versuchten deren Gefängnis zu stürmen. Bei den Unruhen wurden nach offiziellen Zahlen 22 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Am Gerichtsort in Kairo brach dagegen nach dem Urteil Jubel unter den Angehörigen der Opfer aus.

In Port Said versuchten nach Bekanntwerden des Richterspruchs Angehörige der Verurteilten, das Gefängnis zu stürmen, in denen ihre Verwandten inhaftiert sind. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kairo wurden 22 Menschen bei den Zusammenstößen getötet, unter ihnen auch Polizisten. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt.

Das Innenministerium sprach von "gewaltsamen und blutigen Zusammenstößen" in Port Said. Das Gefängnis würde beschossen. Die Nachrichtenagentur Mena meldete, die Armee habe die Entsendung von Truppen in die Hafenstadt an der nördlichen Einfahrt zum Suez-Kanal beschlossen. Laut der Kanalbehörde war der Verkehr auf der strategisch wichtigen Wasserstraße zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer jedoch zunächst nicht betroffen.

In Suez am Südende des Kanals hatte es am Freitag bei gewaltsamen Protesten anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen Präsident Husni Mubarak acht Tote gegeben. Die Armee bezog daraufhin mit gepanzerten Fahrzeugen Stellung vor den öffentlichen Gebäuden. Auch in Kairo, Alexandria und anderen Städten gab es gewaltsame Proteste. Am 25. Januar 2011 hatten in Kairo die Proteste gegen Mubarak begonnen, die am 11. Februar zu seinem Sturz führten.

Wegen der Krawalle nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said im Februar 2012 mussten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten, darunter auch neun Polizisten. Die Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Die Urteile gegen die anderen Angeklagten sollen am 9. März gefällt werden.

Nach den Krawallen war den Sicherheitskräften vorgeworfen worden, sie hätten die Täter bewusst gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während der Proteste gegen Mubarak und auch später bei den Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt. Vor dem Urteil am Samstag hatten die Ultras von Al-Ahli gedroht, "Chaos" in Kairo zu verbreiten, sollten die Täter nicht bestraft werden.

Das größte Oppositionbündnis drohte derweil mit einem Boykott der nächsten Parlamentswahl, sollte die islamistische Regierung nicht eine "umfassende Lösung" für eine Beilegung der politischen Krise finden. Die Nationale Heilsfront, in der die wichtigsten Parteien und Bewegungen der Opposition zusammengeschlossen sind, forderte unter anderem eine Regierung der "nationalen Rettung".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über die anhaltende Gewalt in Ägypten. Er sehe "mit Sorge", dass es nicht gelinge, "die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen". Der Minister bekräftigte die Unterstützung Deutschlands beim "langen und auch schwierigen Transformationsprozess".

AFP