Was die Defizite und Schwächen ihrer Kunden angeht, war die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit bislang gut informiert. Nun will die Behörde noch genauer hingucken - auf die Stärken und Talente der Arbeitslosen.
Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) plant eine Reform bei der Betreuung von Arbeitslosen, in deren Zuge deren Persönlichkeit genauer untersucht werden soll. "Wir wollen künftig stärker auf die Stärken als auf die Schwächen unserer Kunden schauen", sagte Markus Schmitz, Geschäftsführer bei der BA, der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag. Bisher würden die Arbeitslosen in Vermittlungsgesprächen häufig vor allem zu hören bekommen, welche Abschlüsse ihnen fehlen. Nun sollten Arbeitslose stärker bei sich selbst auf "Talentsuche" gehen, sagte Schmitz. "Der Vermittler und unser psychologischer Dienst helfen ihm dabei."
Das neue BA-Programm "Kompetenzdiagnostik" habe dazu vier Angebote, die sowohl für Bezieher des Arbeitslosengeldes I als auch für Hartz-IV-Empfänger geeignet seien. Mit der Beantwortung eines Fragebogens sollten die Jobsuchenden dabei leichter ihr eigenes Verhalten im Berufsleben einschätzen können. Dieser Test werde vom Arbeitslosen am PC ausgefüllt und mit einem Vermittler und Psychologen besprochen. Bei einem weiteren computergestützten Test werde die Fähigkeit geprüft, Probleme zu erfassen und zu lösen. Dritter Baustein sei ein Interview mit einem Psychologen der BA; vierter der mögliche Besuch eines Assessment-Centers. Dabei müssten sich Bewerber teilweise in Gruppenübungen bewähren.
Laut Schmitz zeigte ein Probelauf in Augsburg, Hagen und Merseburg bei den teilnehmenden 2200 Arbeitslosen, dass das Programm diese ganz neu motiviere.