Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwartet zumindest in absehbarer Zeit nicht, dass der Islam den gleichen Stellenwert in der deutschen Kultur einnehmen wird wie Christen- und Judentum.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erwartet zumindest in absehbarer Zeit nicht, dass der Islam den gleichen Stellenwert in der deutschen Kultur einnehmen wird wie Christen- und Judentum. Bundespräsident Christian Wulff habe richtigerweise gesagt, dass der Islam auch zu Deutschland gehöre, sagte der CDU-Politiker bei einer Veranstaltung der Sender Deutschlandradio Kultur und Phönix am Donnerstagabend in Berlin. Das bedeute aber auch, dass diese Religion nur ein Teil Deutschlands sei. "Wenn Sie jetzt fragen: Wird damit der Islam auf die gleiche Stufe gestellt wie das christlich-jüdische Religionsverständnis, Kulturverständnis, was wir haben, dann ist meine Antwort: auf absehbare Zeit nein", fügte de Maizière hinzu.
Er wies den Vorwurf zurück, sein Ministerium habe Mittel für Integrationskurse gekürzt. Die Mittel für Integrationskurse seien im laufenden Haushalt aber um 15 Millionen Euro aufgestockt worden. Allerdings gebe es bei den Kursen tatsächlich "Wartelisten, weil wir die im Moment auch schlecht organisiert haben", sagte er. De Maizière rief Migranten zu Integrationsanstrengungen auf: "Wenn türkische Eltern, marokkanische Eltern, italienische Eltern (...) - wenn sie nur die SAT-Schüssel haben und nur das türkische, marokkanische, italienische Fernsehen sehen und am Küchentisch mit ihren Kindern nie Deutsch sprechen, dann ist es schwierig, auch mit einem Kurs das alles auszugleichen."
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) widersprach indes der Auffassung, dass das Christentum in Deutschland einen höheren Stellenwert als andere Religionen habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe "natürlich Recht" mit ihrer Aussage, dass das Grundgesetz das zentrale Fundament der deutschen Gesellschaft sei, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag. Im Grundgesetz sei aber auch die rechtliche Gleichheit und Gleichberechtigung der Religionen verankert. "Dort steht eben nicht, dass das Christentum einen höheren Stellenwert hat als andere Religionen", hob Mazyek hervor.
Er begrüßte zudem die Forderung der Opposition nach einer rechtlichen Gleichstellung des Islam mit den Kirchen. Durch einen "Dialog auf Augenhöhe" könnten viele integrationspolitische Probleme gelöst werden, sagte Mazyek der Zeitung.