CDU-Kreisverband will Schavan für Bundestag aufstellen

24. Januar 2013, 15:58 Uhr

Trotz des Verfahrens zur Aberkennung ihres Doktortitels will ihr CDU-Kreisverband Bundesbildungsministerin Annette Schavan am Freitag zur Bundestagskandidatin wählen.

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Trotz des Verfahrens zur Aberkennung ihres Doktortitels will ihr CDU-Kreisverband Bundesbildungsministerin Annette Schavan am Freitag zur Bundestagskandidatin wählen. "Wir gehen davon aus, dass Frau Schavan mit großer Mehrheit gewählt werden wird", sagte der Geschäftsführer des Verbands Albdonau/Ulm, Thomas Schweizer. Die Ministerin machte erneut deutlich, nicht zurücktreten zu wollen.

"Die Haltung des Kreisverbands ist eindeutig, wir halten an der Nominierung von Frau Dr. Schavan fest", sagte Geschäftsführer Schweizer der Nachrichtenagentur AFP. Gegenkandidaten werde es bei der Nominierungsversammlung keine geben.

Einen Rücktritt schloss die Ministerin weiter aus. "Ich erhalte seit Wochen derart viel Zuspruch aus der Wissenschaft, dass ich auch die Verantwortung spüre, nicht aufzugeben", sagte Schavan der "Südwest Presse". Dies und der Rückhalt in ihrem Ulmer Wahlkreis bestärke sie, "weiter zu kämpfen". Die zurückliegenden Monate seien sehr belastend gewesen, räumte Schavan ein. Der Vorwurf der Täuschung habe sie "bis ins Mark getroffen". Hier gehe es ja nicht um meinen Doktortitel, "sondern um meine Integrität".

Auf die Frage, ob sie gegen eine Entscheidung der Universität gerichtlich vorgehen werde, sagte Schavan: "Gerade weil ich Wissenschaftsministerin bin, setze ich auf die Souveränität der Wissenschaft und den wissenschaftlichen Disput." Sie sei davon überzeugt, "dass die Vorwürfe unberechtigt sind".

Schavan erhofft sich von der Auseinandersetzung um ihren Fall auch eine grundsätzliche Debatte. "So schmerzhaft diese Geschichte jetzt für mich ist: Wenn daraus ein gemeinsames Verständnis und ein Kodex zum wissensgerechten Umgang mit Plagiatsvorwürfen entstünde, dann wäre das ein gutes Ergebnis", sagte Schavan. Inzwischen drehe sich die Debatte um die sehr grundsätzliche Frage, ab wann in der Wissenschaft von einem Plagiat gesprochen werden könne.

Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980 falsch zitiert und Quellen nicht genannt zu haben. Das zuständige Gremium der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass Schavan ihren Titel verliert. Die Prüfer könnten auch zu dem Schluss kommen, dass für einen Entzug keine ausreichenden Gründe vorliegen.

AFP