12. Mai 2012, 12:18 Uhr

PORTRÄT: Christian Lindner stimmt FDP hoffnungsfroh

Seitdem Christian Lindner in Nordrhein-Westfalens FDP das Kommando übernommen hat, ist die nackte Überlebensangst der Liberalen deutlicher Zuversicht gewichen.

Seitdem Christian Lindner in Nordrhein-Westfalens FDP das Kommando übernommen hat, ist die nackte Überlebensangst der Liberalen deutlicher Zuversicht gewichen. Denn erstmals seit gut acht Monaten kletterte die Landes-FDP jüngst in Umfragen auf die Sechs-Prozent-Marke - noch Mitte März hatte sie bei zwei Prozent und damit nur knapp oberhalb der demoskopischen Wahrnehmungsgrenze gelegen. "Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen", spricht der 33-jährige Lindner nun in der heißen Phase des Landtagswahlkampfes seiner Partei unablässig Mut zu.

Bei seinen Auftritten vor der Landtagswahl rückt Lindner vor allem seine unbestrittenen argumentativen Fähigkeiten in den Vordergrund. Der FDP-Hoffnungsträger wird nicht müde herauszustreichen, dass seine Partei einen Wahlkampf "ohne Mätzchen" führe und folgerichtig den Wählern auf ihren Plakaten auch "keine Kinder und keine Tierbabys" zumute. "Wenn Selbstbewusstsein und Bescheidenheit zusammenkommen, dann heißt das Souveränität", sagt Lindner, dessen Konterfei landesweit auf unzähligen FDP-Plakaten prangt. Denn die NRW-FDP setzt im Wahlkampf ganz auf ihren Spitzenmann.

Vier Monate nach seinem Rücktritt als Generalsekretär der Bundes-FDP hat Lindner, der ob seines jugendlichen Alters von seinem politischen Ziehvater Jürgen Möllemann einst "Bambi" getauft wurde, den bei weitem größten Landesverband der Liberalen fest im Griff. "Ich will, dass die FDP schon im Stil der Auseinandersetzung in diesem Wahlkampf den Unterschied macht", erteilt Lindner jeglichem Wahlkampfgepolter eine Absage - und damit einer Wahlkampfführung, wie sie einst Möllemann bei Lindners Einzug in den NRW-Landtag im Jahr 2000 pflegte.

Sollte Lindner mit seiner "Mission Fünf Prozent" im wichtigsten Bundesland Erfolg haben, stünden ihm in der Bundes-FDP wohl einige Optionen offen. Doch im Wahlkampf versucht Lindner, alle Gedankenspiele über einen neuen Wechsel nach Berlin im Keim zu ersticken. Beim Wiedereinzug in den Landtag werde er die FDP-Fraktion anführen, ohne Wenn und Aber. Auch von Personenkult will er nichts wissen: "Es geht ja gar nicht um mich bei dieser Wahl", sagt Lindner, der 1995 als Jugendlicher in die FDP eintrat. "Es geht um eine Entscheidung in der Sache, nämlich dass es diese liberale Stimme weiter in den Parlamenten gibt."

Auf dem Weg aus dem Umfragetief hat Lindner der Landes-FDP einen Imagewechsel verordnet: Der 33-Jährige will seine Partei vom Ruf der reinen Steuersenkungspartei befreien. NRW brauche ein "neues Denken", fordert der Rheinländer, der in Bonn Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie studiert hat. Vorrang vor Steuersenkungen müsse die Entschuldung der öffentlichen Finanzen haben - nur durch deren Konsolidierung könne der Staat aus der Abhängigkeit von den Finanzmärkten befreit werden. Diese Haltung sei "auch eine Art Selbstkorrektur der FDP", räumt Lindner ein.

In den NRW-Wahlkampf sind die Liberalen daher mit dem Slogan "Lieber neue Wahlen als neue Schulden" gezogen. Außerdem hat sich Lindner, der bereits 1998 den Sprung in den Vorstand der NRW-FDP schaffte und 2009 in den Bundestag einzog, die "Verteidigung der sozialen Marktwirtschaft" auf seine Wahlkampf-Fahnen geschrieben, ebenso den Erhalt des Gymnasiums. "Schulen besser machen und nicht gleicher", lautet die Aufschrift des entsprechenden FDP-Plakats, auf dem - natürlich - Lindner abgebildet ist.

Mit der Frage nach dem Schicksal der Bundes-FDP bei einer Niederlage in Nordrhein-Westfalen will sich Lindner kurz vor der Landtagswahl nicht befassen. Er glaube an den Erfolg der Landes-Partei, sagt er ein ums andere Mal. "Mein Hobby ist der Motorsport", fügte der Hauptmann der Reserve bei der Luftwaffe jüngst in Interviews hinzu. "Da gibt es eine Regel: Schau auf den Ausgang der Kurve, nicht in die Leitplanke, sonst landest du darin."

AFP