CSU erobert absolute Mehrheit in Bayern zurück

15. September 2013, 23:08 Uhr

Triumph für die CSU, verheerende Schlappe für die FDP: Eine Woche vor dem Urnengang im Bund hat die Partei von Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Landtagswahl in Bayern die absolute Mehrheit zurückerobert.

Triumph für die CSU, verheerende Schlappe für die FDP: Eine Woche vor dem Urnengang im Bund hat die Partei von Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Landtagswahl in Bayern die absolute Mehrheit zurückerobert. Die auch um ihren Einzug in den Bundestag bangenden Liberalen wollen nun in der letzten Wahlkampfwoche gezielt um Zweitstimmen aus dem Lager der Unionswähler werben.

Die CSU lag in Hochrechnungen von ARD und ZDF von 20.00 Uhr bei knapp 49 Prozent. Die Christsozialen eroberten damit ihre bei der Wahl 2008 verlorene absolute Mehrheit zurück und können damit künftig wieder alleine regieren - allerdings blieben sie weit unter früheren Stimmrekorden von über 60 Prozent. CSU-Chef und Ministerpräsident Seehofer sprach von einem "großartigen Wahlerfolg". Der Einbruch von 2008 sei damit "Geschichte".

Die SPD konnte sich von ihrem historischen Tief von 18,6 Prozent vor fünf Jahren erholen und verbesserte sich leicht auf gut 20 Prozent. Der ursprünglich mit größeren Hoffnungen in den Wahlkampf gestartete Spitzenkandidat Christian Ude zeigte sich zufrieden. Die SPD habe eine "Trendwende" hingelegt.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte in Berlin, er blicke "mit einer gewissen Genugtuung" auf die Umfragen, in denen Ude ein wesentlich schlechteres Ergebnis vorausgesagt worden sei. Dies verleihe der SPD "eine gute Portion Selbstbewusstsein" für die letzten Tage bis zur Bundestagswahl.

Die bayerische FDP blieb nach ihrem Rekordwert von acht Prozent vor fünf Jahren mit nur rund drei Prozent klar unter der Fünf-Prozent-Hürde. Parteichef Philipp Rösler räumte in Berlin eine "schwere Niederlage" ein. Zusammen mit FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle rief er dazu auf, in den letzten Tagen vor der Bundestagswahl gezielt um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager zu werben.

Die Grünen verloren Stimmen im Vergleich mit der Bayern-Wahl 2008, holten mit rund 8,5 Prozent aber immer noch ihr zweitbestes Ergebnis im Freistaat. Die aus Bayern stammende Parteichefin Claudia Roth zeigte sich "enttäuscht". Der Spitzenkandidat der Grünen bei der Bundestagswahl, Jürgen Trittin, gab sich in Berlin motiviert: "Man sollte uns Grüne nicht unterschätzen. Wir sind seit unserer Gründung Gegenwind gewohnt."

Die in Bayern traditionell starken Freien Wähler wurden den Hochrechnungen zufolge mit rund 8,5 Prozent drittstärkste Kraft noch vor den Grünen. Nicht im bayerischen Landtag vertreten sind Linke und Piraten, die Euro-kritische AfD war bei der Wahl nicht angetreten. Die Wahlbeteiligung lag laut ARD bei 64,1 Prozent und damit deutlich höher als vor fünf Jahren.

Die CDU in Berlin reagierte erfreut auf den Sieg der Schwesterpartei. Generalsekretär Hermann Gröhe sprach von "Rückenwind" für den Bundestagswahlkampf. Zugleich warnte er angesichts der Zweitstimmenkampagne der FDP: "Die Bundestagswahl ist noch nicht entschieden, das wird ein knappes Rennen." CDU-Vize Armin Laschet zeigte sich überzeugt, dass die FDP es am kommenden Sonntag aus eigener Kraft schaffen werde.

Seehofer sah sich nach seinem Wahlsieg in seiner Forderung nach einer Pkw-Maut für Ausländer bestärkt. "Wir werden die Pkw-Maut nicht aufgeben, sondern durchsetzen", sagte er. Die CDU lehnt die Maut ab.

 
 
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