HINTERGRUND: Datenschutz bleibt Thema für Facebook

2. Februar 2012, 17:53 Uhr

Sie sind Daseinsberechtigung und Achillesferse zugleich: Die privaten Nutzerdaten, die Facebook auf seinen weltweiten Servern gespeichert hat.

0 Bewertungen

Sie sind Daseinsberechtigung und Achillesferse zugleich: Die privaten Nutzerdaten, die Facebook auf seinen weltweiten Servern gespeichert hat. Das Thema Datenschutz verfolgt die sozialen Netzwerker in Palo Alto schon seit längerem. Mit dem geplanten Börsengang könnte es nach Meinung von Experten für das US-Unternehmen erst recht zum heißen Eisen werden. Denn künftig werden die Augen von Investoren und Öffentlichkeit noch stärker auf dem Internetgiganten ruhen, dessen Netzwerk mehr als 840 Millionen Nutzer hat und der künftig zudem dem Auf und Ab des Börsenkurses ausgesetzt sein wird.

Facebook steht in Europa, aber zunehmend auch in den USA, in der Kritik für seinen Umgang mit Mitgliederdaten. Sie sind das wichtigste Kapital des Unternehmens, sie eröffnen Ansätze für Werbung und Konsumentenbeobachtung. Doch bei der Verwaltung dieser riesigen Datenmengen gab es wiederholt Pannen: So wurde etwa im vergangenen Mai entdeckt, dass Facebook-Firmenpartner aufgrund von Programmierfehlern in Apps jahrelang Zugriff auf Nutzerprofile hätten haben können.

Vor allem aber entzündet sich der Unmut an Facebooks Geschäftsstrategie im Umgang mit der Privatsphäre. Deutsche und europäische Datenschützer, aber auch Politiker wie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) werfen dem Konzern vor, "gläserne Nutzer" zu schaffen, Mitglieder über die von ihnen verbreiteten Daten im Unklaren zu lassen und es mit den nationalen Datenschutzrechten nicht so genau zu nehmen. Ein Beispiel dafür war die Einführung der automatischen Foto-Gesichtserkennungsfunktion, für die Facebook biometrische Merkmale in einer Datenbank speicherte, ohne die Nutzer darüber auch nur zu informieren.

In Deutschland führte das zu energischen Protesten von Datenschützern bis hin zur Vorbereitung rechtlicher Schritte wegen Verstößen gegen deutsches und europäisches Recht. Die Datenschutzkommission in Irland, wo die europäische Facebook-Zentrale steht, verlangte von Facebook nach einer durch Beschwerden von Verbrauchern ins Rollen gekommenen Untersuchung im Dezember, das Löschen von Daten zu erleichtern und Nutzer besser über Datenbestände zu informieren.

Auch in den USA geriet Facebook wegen seiner Geschäftspraktiken zuletzt immer stärker in die Kritik. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC etwa ging seit 2009 gegen das Unternehmen vor, weil es unter anderem entgegen der eigenen Ankündigung Nutzerinformationen an Werbekunden weitergab. Auch wurden ursprünglich private Profilinformationen wie Freundeslisten nachträglich doch für alle sichtbar gemacht, ohne die Nutzer danach zu fragen.

Im November 2011 stimmte Facebook einer Übereinkunft mit der FTC zu: Künftig wird unter anderem die Einwilligung der Mitglieder eingeholt, bevor für die Privatsphäre relevante Einstellungen geändert werden. Zuvor hatte der Konzern bereits Nutzern mehr Kontrolle über die Informationen eingeräumt, die sie teilen - und damit einen weiteren Kritikpunkt zumindest teilweise entschärft. Seitdem können Nutzer beim Verfassen von Beiträgen mit Hilfe eines automatisch erscheinenden kleinen Menüs per Mausklick festlegen, wer diesen lesen darf. Vorher waren dazu Änderungen in einem versteckten Einstellungsmenü nötig.

Parallel zur Ankündigung des Börsengangs sorgt derzeit die geplante Umstellung der Nutzerprofile auf die sogenannte Chronik oder Timeline für neuen Wirbel. Dabei werden die Nutzer zwar vorab informiert, und es werden auch keine zusätzlichen Daten erhoben oder veröffentlicht. Aber allein der Umstand, dass eine Änderung des Designs der Profile das Stöbern in alten Beiträgen erleichtert und deren Aktivitäten transparenter macht, sorgt bei vielen Nutzern inzwischen für Ablehnung. Das Thema Privatsphäre wird Facebook so schnell nicht loslassen.

AFP