Gegner des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben bei einer Großdemonstration vor dem Präsidentenpalast in Kairo Stacheldrahtbarrieren überwunden.
Gegner des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben bei einer Großdemonstration vor dem Präsidentenpalast in Kairo Stacheldrahtbarrieren überwunden. Wie ein AFP-Reporter berichtete, verhinderten Soldaten das Vordringen der Demonstranten auf das Gelände des Palastes. Mursi erwägt nach den Worten seines Stellvertreters Mahmud Mekki, das Referendum über die umstrittene Verfassung zu verschieben.
An der neuen Anti-Mursi-Demonstration beteiligten sich mehr als 10.000 Ägypter. Von seiten der Sicherheitskräfte waren Panzer im Einsatz. Demonstranten sprühten Sprüche wie "Verschwinde!" auf die äußeren Mauern des Gebäude-Komplexes. Gewalttätige Auseinandersetzungen gab es zunächst nicht. Einige Demonstranten kletterten auf Panzer, woran sie von den Soldaten nicht gehindert wurden.
Mursi hatte es in einer Fernsehansprache erneut abgelehnt, seine vor zwei Wochen eigenmächtig erweiterten Machtbefugnisse wieder zu beschneiden. Sein Stellvertreter Mekki sagte indes der Nachrichtenagentur AFP, Mursi "könnte eine Verschiebung des Referendums (über die Verfassung) akzeptieren", wenn dies keine rechtlichen Folgen habe. Die Opposition müsse garantieren, dass sie dann nicht argumentiere, eine einmal angesetzte Volksabstimmung müsse innerhalb der Zwei-Wochen-Frist abgehalten werden.
Die Teilnehmer der Großdemonstration verlangten das Absagen des Referendums, die Rücknahme der Sondervollmachten für den Präsidenten und "das Verschwinden des gesamten Regimes" - ein Schlachtruf, der bereits vor dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011 ständig zu hören war.
Die Nationale Heilsfront werde sich nicht an dem für Samstag angesetzten "nationalen Dialog" im Präsidentenpalast beteiligen, kündigte das Oppositionsbündnis an. Der Bewegung gehören mehrere linke und liberale Oppositionsgruppen an.
In der Nacht zum Donnerstag waren in der Nähe des Präsidentenpalasts in Kairo bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Mursis islamistischen Unterstützern und seinen überwiegend säkularen Gegnern sieben Menschen getötet und fast 650 weitere verletzt worden.
US-Präsident Barack Obama und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderten beide Seiten zur Ruhe auf und drangen auf Verhandlungen. Obama zeigte sich "tief beunruhigt". In einem Telefonat mit Mursi sagte er, führende Politiker aller Lager sollten ihre Differenzen beiseite lassen und sich auf einen gemeinsamen Weg einigen. Sie müssten ihren Anhängern klar machen, dass Gewalt "unannehmbar" sei. Westerwelle rief alle Beteiligten "mit großer Dringlichkeit" auf, "keine Chance zur politischen Beilegung der entbrannten Kontroverse verstreichen zu lassen".