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News am 31.05.2012
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8. Februar 2012, 20:23 Uhr

PORTRÄT: Der Vorführer

In manchen Berufen ist es eine Auszeichnung, übersehen zu werden.

In manchen Berufen ist es eine Auszeichnung, übersehen zu werden. "Unseren Job haben wir dann am besten gemacht, wenn uns keiner bemerkt", sagt Uli Schmidt. Der 45-Jährige ist Filmvorführer. Seit 25 Jahren sitzt bei den Berliner Filmfestspielen am Projektor. Wenn am Donnerstag die 62. Berlinale am Potsdamer Platz beginnt, ist er wieder dabei.

Schmidt ist ein hochgewachsener Mann mit wildem Lockenkranz. Seit er 14 Jahre alt ist, führt er Filme vor. In der Fränkischen Schweiz, wo er geboren wurde, half er in den Schulferien in einem Wanderkino. Hauptberuflich arbeitet Schmidt als Kameraassistent, doch der Februar ist reserviert für die Filmfestspiele.

Sein Arbeitstag im Berlinale Palast beginnt um 16.00 Uhr. Schmidt führt Filme im Wettbewerb auf den Galavorstellungen vor, bei denen Regisseure und Schauspieler anwesend sind. Wenn um kurz vor Mitternacht die Vorstellungen gelaufen sind, beginnen die Proben für den nächsten Tag. Dann kommen Regisseure, Verleiher oder Kameramänner, um sich zeigen zu lassen, wie ihr neustes Werk auf der großen Leinwand wirkt.

"Das sind 20 Prozent Vorführarbeit und 80 Prozent psychologische Betreuung", sagt Schmidt. Dem einen ist das Bild zu hell, dem anderen zu dunkel, der Ton soll lauter oder leiser sein. "Da ist viel Nervosität im Spiel."

Zahlreiche berühmte Regisseure haben mit ihm gemeinsam ihren Film geguckt: der diesjährige Jurypräsident, Mike Leigh, zum Beispiel, der ein "ganz charmanter Herr" sei. Oder der bereits verstorbene Regisseur John Schlesinger, der 1993 auf der Berlinale "The innocent" (deutsch: "...und der Himmel steht still") zeigte und ebenfalls "sehr nett" gewesen sei.

Regisseure aus kleinen Filmländern wie zum Beispiel dem Iran kämen manchmal zum ersten Mal nach Deutschland. "Die haben das Erlebnis ihres Lebens, den Film im Berlinale Palast zu sehen", berichtet er. Viele hätten Tränen in den Augen.

Während Vertreter der Hollywood-Filmindustrie lediglich zu dritt in seiner Vorführkabine auftauchten, kämen chinesische Filmemacher gern mit 20 Leuten. Der Filmemacher Fatih Akin sei 2004 mit vielen Freunden und einer Kiste Bier zum Probelauf von "Gegen die Wand" erschienen. Der Film gewann den Goldenen Bären.

In den vergangenen 25 Jahren hat Schmidt den Übergang vom Rollenfilm zum digitalen Film erlebt. Zurzeit werden beide Techniken parallel verwendet. Das perfekte Wechseln der Rollen ist der Ehrgeiz aller Vorführer. "Kurz bevor eine Rolle endet wird in dem Film rechts oben in der Ecke ein Überblendungszeichen gezeigt", erklärt er. Das ist das Signal, den zweiten Projektor in Gang zu setzen.

Ein einziges Mal gab es in Schmidts Zeit im Berlinale-Wettbewerb eine Panne. Sie passierte bei "The Beach" mit Leonardo di Caprio im Jahr 2000. Ein Mitarbeiter des Filmstudios 20th Century Fox habe das Überblendungszeichen zu auffällig gefunden, berichtet er, und es auf der Filmrolle teilweise übermalt. Schmidt reagierte im letzten Moment, wechselte die Rolle, doch im Saal war es für fünf Sekunden dunkel. Der damalige Festivalpräsident Moritz de Hadeln habe dem Vorführer sofort seinen Rückhalt versichert, und das Filmstudio beschwerte sich nicht.

"Man darf sich nicht verrückt machen", lautet Schmidts Credo. Wenn wieder ein aufgeregter Regisseur neben ihm sitzt, holt er auch schon mal ein Bier aus der Bar, um für gute Stimmung zu sorgen. Von den vielen Veranstaltungen auf der Berlinale bekommt Schmidt aber nur wenig mit, denn bis vier Uhr früh sitzt er im Vorführraum. "Nur zweimal hat mich ein Regisseur auf eine Party eingeladen", sagt er. Das stört ihn nicht, denn als Kameraassistent hat er eigene Einladungen.

Was Schmidt bedauert, ist, dass er kaum dazu kommt, die Filme auch zu gucken. Die Arbeit im Vorführraum nehme zu viel Aufmerksamkeit in Anspruch. Technisch sei die Berlinale nach Auffassung vieler in der Filmbranche das beste Festival der Welt. Ein Verleiher habe einmal den Vorführern das höchste Lob ausgesprochen: "Cannes könnte sich von Euch eine Scheibe abschneiden."

AFP