Doppelanschlag in Türkei verschärft Spannungen zu Syrien

12. Mai 2013, 19:38 Uhr

Nach einem blutigen Doppelanschlag an der türkischen Grenze zu Syrien haben die ohnehin strapazierten Beziehungen zwischen beiden Ländern einen neuen Tiefpunkt erreicht.

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Nach einem blutigen Doppelanschlag an der türkischen Grenze zu Syrien haben die ohnehin strapazierten Beziehungen zwischen beiden Ländern einen neuen Tiefpunkt erreicht. Ankara machte die syrische Führung für die Explosionen zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli verantwortlich, bei denen am Samstag mindestens 46 Menschen getötet wurden, und nahm neun Verdächtige fest. Damaskus wies die Vorwürfe scharf zurück.

Derzeit würden die neun Verdächtigen verhört, sagte der türkische Vize-Regierungschef Besir Atalay. "Es gibt Geständnisse." Laut Innenminister Muammer Güler haben die Drahtzieher der Anschläge Verbindungen zu "Organisationen, die vom syrischen Regime und seinen Geheimdiensten unterstützt werden". Die Attentäter hielten sich demnach bereits in der Türkei auf.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf der Führung in Damaskus vor, sein Land in den Konflikt hineinziehen zu wollen. Seine Landsleute rief er auf, gelassen auf derartige syrische "Provokationen" zu reagieren. Auch die syrische Opposition machte Damaskus für die Anschläge verantwortlich. Was in Reyhanli passiert sei, zeige die von der syrischen Führung ausgehende Gefahr für die Nachbarstaaten sowie für "Frieden und Stabilität in der Region", erklärte der Syrische Nationalrat.

Syriens Informationsminister Omran al-Sohbi wies alle Vorwürfe zurück. Damaskus habe die Tat "nicht begangen und würde sie auch niemals begehen", sagte er in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz. "Unsere Werte erlauben uns so etwas nicht."

Die Türkei und Syrien waren einst Verbündete, im Zuge des nun schon mehr als zwei Jahre andauernden Syrien-Konflikts verschlechterten sich die Beziehungen aber dramatisch. Ankara unterstützt mittlerweile offen die Opposition, die gegen die Führung von Staatschef Baschar al-Assad kämpft. Schon in der Vergangenheit hatte es wiederholt Angriffen im syrisch-türkischen Grenzgebiet gegeben, die Attentate in Reyhanli sind jedoch die bislang blutigsten.

Außenminister Ahmet Davutoglu, der sich am Wochenende in Berlin aufhielt, sagte, die Türkei werde "solche Provokationen in unserem Land nicht zulassen". Er machte die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft für den Anschlag mitverantwortlich. Ankara habe immer wieder versucht, im Syrien-Konflikt zu vermitteln, sagte Davutoglu nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Guido Westerwelle. Aber das Attentat zeige, "wie ein Funke zum Flächenbrand wird, wenn die internationale Gemeinschaft schweigt und der UN-Sicherheitsrat nicht handelt".

AFP