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4. März 2011, 11:31 Uhr

Erneut hunderttausende Fahrgäste betroffen

Am Freitagvormittag haben die Lokführer der Deutschen Bahn zum dritten Mal innerhalb zweier Wochen gestreikt. Betroffen waren Hunderttausende Fahrgäste.

Der Warnstreik der Lokführer am Freitagvormittag hat Hunderttausende von Fahrgästen der Deutschen Bahn betroffen. Die Arbeitsniederlegung führe zu Behinderungen in Nah-, Regional- und im Fernverkehr, teilte die Deutsche Bahn (DB) in Berlin mit. Neben Fahrgästen im morgendlichen Berufsverkehr müssten vor allem Wochenendpendler unter den Auswirkungen des Warnstreiks leiden. Die Lokführer waren von 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr zu der Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Im Osten der Bundesrepublik fielen laut GDL während des Warnstreiks von 08.30 Uhr bis 11.30 Uhr sogar nahezu 90 Prozent der Züge aus oder waren verspätet. Betroffen von dem Warnstreik waren der Nah-, Regional- und Fernverkehr. In München kam der S-Bahnverkehr laut GDL fast vollständig zum Erliegen. Die Gewerkschaft bestreikte neben der Deutschen Bahn auch deren sechs wichtigste Konkurrenten (G-6).

Im Fernverkehr der Deutschen Bahn wurde nach Angaben des Konzerns am Freitagmorgen rund ein Drittel der Züge bestreikt und musste zwischen 08.30 und 11.30 Uhr stehen bleiben. Die Bahn rechnete noch bis zum Abend mit Zugausfällen und teilweise größeren Verspätungen.

Betroffenen Fahrgästen empfahl die Bahn, sich vor der Fahrt über die Auswirkungen zu informieren. Informationen gibt es unter der Rufnummer 08000-996633 oder im Internet unter www.bahn.de/aktuell.Am Montag soll das Ergebnis der GDL-Urabstimmung über einen unbefristeten Streik vorliegen. Gewerkschaftschef Claus Weselsky versicherte, bis dahin werde es keine weiteren Arbeitskampfmaßnahmen geben. Die Arbeitgeber hätten also das Wochenende Zeit, um ein "ernsthaftes, verhandlungsfähiges Angebot" vorzulegen. Weselsky begründete den Warnstreik am Freitag mit einer "Provokation durch das sogenannte neue Angebot" der Deutschen Bahn.

Die Bahn wies die Vorwürfe zurück und forderte die Gewerkschaft auf, jegliche Arbeitskampfmaßnahmen sofort einzustellen. Das jüngste Angebot sei "der abschlussreife Entwurf eines Lokführer-Rahmen-Tarifvertrages" gewesen, erklärte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die Bahn sei seit Tagen bemüht, die von der GDL "einseitig abgebrochenen Verhandlungen wieder in Gang zu bringen."

Erschwert wird der Tarifkonflikt zusätzlich dadurch, dass die GDL künftig wieder mit jedem Wettbewerber der Deutschen Bahn einzeln über Tarifverträge verhandeln muss. Die in einer Verhandlungsgruppe zusammengeschlossenen Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, HLB, Keolis und Veolia (G-6) beendeten ihr gemeinsames Verhandlungsmandat mit der GDL, wie die G-6-Verhandlungsführerinnen Ulrike Riedel und Ulrike Haber-Schilling in Berlin mitteilten. Praktisch heißt das für die GDL sogar, dass sie bis zu 25 einzelne Haus-Tarifverträge aushandeln muss - denn so viele Einzelunternehmen stehen hinter den sechs großen privaten Bahnbetreibern.

Die G-6-Unternehmen kritisierten vor allem den Anspruch der GDL, für alle Lokführer zu sprechen - also auch in den Betrieben, in denen die Lokführer mehrheitlich Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sind. Mit der EVG hatten G-6 und Deutsche Bahn sich kürzlich auf einen Branchen-Tarifvertrag für den Nahverkehr geeinigt, den die GDL nicht anerkennen will.

Die Gewerkschaft kämpft stattdessen für einen bundesweit gültigen Flächen-Tarifvertrag, der bei allen Bahnunternehmen im Nah-, Fern- und Güterverkehr gelten soll. Ziele sind ein einheitliches Mindesteinkommen auf dem Niveau des Marktführers Deutsche Bahn sowie weitere einheitliche Regelungen.

mm/AFP
 
 
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