Bei der Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo wird kein Familienmitglied des inhaftierten chinesischen Dissidenten anwesend sein können. Die feierliche Gala soll aber trotzdem wie geplant stattfinden - ohne Übergabe der Nobelpreis-Medaille.
Der Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr wahrscheinlich nicht übergeben. Grund dafür sei, dass voraussichtlich niemand von der Familie des Preisträgers, des inhaftierten chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo, an der Zeremonie am 10. Dezember teilnehmen werde, teilte das norwegische Nobelkomitee am Donnerstag in Oslo mit. Die mit zehn Millionen Kronen (knapp eine Millionen Euro) dotierte Auszeichnung dürfe aber nur vom Preisträger selbst oder von engen Familienangehörigen entgegengenommen werden, erklärte der Sekretär des Komitees, Geir Lundestad.
Liu verbüßt in einem chinesischen Gefängnis eine elfjährige Haftstrafe wegen Staatsgefährdung. Seine Frau, Liu Xia, wurde nach der Bekanntgabe der Entscheidung Anfang Oktober unter Hausarrest gestellt. Lundestad sagte, niemand von Lius Familie habe angekündigt, zur Preisübergabe am 10. Dezember nach Oslo zu kommen. Sollte sich nicht in letzter Minute noch etwas ändern, würden das Nobel-Diplom und die Medaille bei der Zeremonie nicht übergeben.
Es wäre das erste Mal seit 1936, dass der Friedensnobelpreis nicht ausgehändigt wird, sagte Lundestad. Damals sollte der schwer kranke deutsche Journalist Carl von Ossietzky die Auszeichnung überreicht bekommen. Das Nazi-Regime erteilte ihm jedoch nicht die Erlaubnis, Deutschland zu verlassen. Ein Vertreter Ossietzkys habe aber das Preisgeld entgegengenommen.
China hat den Dissidenten Liu als Kriminellen bezeichnet und Druck auf andere Staaten ausgeübt, keine offiziellen Vertreter zur Preisverleihung am 10. Dezember zu entsenden. Lundestad sagte der Nachrichtenagentur AP, die Botschafter von Russland, Kuba, Kasachstan, Marokko und Irak hätten Einladungen abgewiesen. Den genauen Grund dafür hätten sie aber nicht mitgeteilt. Der Sprecher der russischem Botschaft, Wladimir Isupow, erklärte aber, die Absage sei nicht politisch motiviert. Sein Land fühle sich nicht durch China unter Druck gesetzt.