11. Februar 2011, 13:30 Uhr

Atomkraftgegner versuchen mit Eilantrag Baustopp zu erreichen

Mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg wollen Anwohner und die Umweltorganisation Greenpeace einen Baustopp für das geplante Atomendlager Gorleben erzwingen.

Mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg wollen Anwohner und die Umweltorganisation Greenpeace einen Baustopp für das geplante Atomendlager Gorleben erzwingen. Der entsprechende Schriftsatz sei dem Gericht am Freitag zusammen mit der Begründung in der Hauptsache zugestellt worden, teilten die Kläger in Hannover mit. Sie wenden sich dagegen, dass der ursprünglich aus dem Jahr 1983 stammende Rahmenbetriebsplan für Gorleben 2010 lediglich verlängert wurde. Ihrer Ansicht nach hätte ein neuer Rahmenbetriebsplan entsprechend den inzwischen geänderten gesetzlichen Bestimmungen vorgelegt werden müssen. Dann wäre auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend notwendig gewesen.

"Es kann nicht sein, dass ein Bundesminister sich nach Gutdünken über das seit 1990 geltende Recht hinwegsetzt", sagte Asta von Oppen von der Rechtshilfegruppe Gorleben. Die Kläger kritisieren zudem, der Salzstock werde nicht nur erkundet, sondern für die spätere Nutzung in weiten Teilen fertig ausgebaut. "Schächte, Strecken und Betriebsräume entsprechen den Industrienormen für ein Endlager", sagte Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. Daher wollten die Kläger erreichen, dass für das weitere Verfahren nicht mehr Bergrecht sondern das schärfere Atomrecht angewendet wird.

Nach zehnjährigem Moratorium hatte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im vergangenen September die Wiederaufnahme der Erkundung des Salzstocks auf seine Eignung als Endlager für hochradioaktiven Müll angeordnet. Das niedersächsische Bergamt ordnete dann im November den Sofortvollzug an. Damit entfiel auch ein kurzzeitiger Baustopp, nachdem zuvor sowohl Anwohner wie die Evangelische Kirchengemeinde Gartow Klagen eingereicht hatten.

Im Gorlebener Zwischenlager direkt neben dem Erkundungsbergwerk lagern bereits 102 Castorbehälter mit hochradioaktivem Abfall. Röttgen will am kommenden Montag auf einer Sitzung des Kreistages von Lüchow-Dannenberg für eine ergebnisoffene weitere Erkundung werben und verspricht im Gegenzug mehr Bürgerbeteiligung. Für Greenpeace aber ist dieser Bürgerdialog ein trojanisches Pferd: "Er soll lediglich den Ausbau des Endlagers begleiten, währenddessen schaffen die Baumaschinen jeden Tag Fakten", sagte Edler.

AFP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Rückblick 2010 - Geschichten, die das Jahr schrieb Vom Tag, als Schafe und Ziegen den Castor stoppten

Vier Tage lang tobte im Wendland der Widerstand gegen den Castortransport nach Gorleben. Mit dabei: 1200 zu allem entschlossene Schafe und 50 Ziegen aus Grippel. Eine wahre Geschichte.

Atompolitik Gas gefährdet Endlager Gorleben

Neue Widerstände gegen Gorleben: Gasvorkommen könnten das Aus für die Atomendlager-Pläne bedeuten. Nach stern-Recherchen kam es sogar schon zu einer tödlichen Gasexplosion in der Nähe des niedersächsischen Ortes.

Erneuter Atommülltransport Castor passiert deutsche Grenze

Fünf Wochen nach den Protesten von Gorleben werden wieder Castorbehälter durch Deutschland transportiert. Aus Frankreich kommend hat der Zug mit den Brennstäben die deutsche Grenze passiert und soll Donnerstag im Zwischenlager in Lubmin eintreffen. Die Demonstrationen halten sich bisher in Grenzen.

Zwischenlager Nord bei Lubmin Neuer Atomtransport rollt Richtung Deutschland

Fünf Wochen nach dem von Massenprotesten begleiteten Castortransport nach Gorleben rollt erneut ein Zug mit Atommüll von Frankreich nach Deutschland. Er soll am Donnerstag im Zwischenlager Nord bei Lubmin eintreffen. Gegner tasten sich bereits an die Gleise heran.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind