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Entschädigung für Strauss-Kahn wegen Skandalbuchs

26. Februar 2013, 22:13 Uhr

Das Skandalbuch einer früheren Geliebten von Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn darf in Frankreich mit Einschränkungen erscheinen.

Das Skandalbuch einer früheren Geliebten von Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn darf in Frankreich mit Einschränkungen erscheinen. Ein Pariser Gericht ordnete an, dass dem Buch "Belle et Bête" (etwa: "Schöne und Biest") der Essayistin Marcela Iacub ein Zettel mit gesonderten Hinweisen beigefügt werden muss. Der Verlag Stock und Iacub müssen Strauss-Kahn zudem 50.000 Euro Entschädigung wegen Verletzung der Privatsphäre zahlen.

Auch das Magazin "Le Nouvel Observateur", das am vergangenen Donnerstag Auszüge aus dem Buch sowie ein Interview mit der Autorin veröffentlicht hatte, wurde zur Zahlung von 25.000 Euro verurteilt. Es muss zudem auf seiner Titelseite die Gerichtsanordnung veröffentlichen. Einen Antrag Strauss-Kahns auf Beschlagnahme des Werks lehnte das Gericht hingegen ab. Das Buch sollte ursprünglich am Mittwoch erscheinen, dies dürfte nun nicht mehr möglich sein. Was genau auf dem Zettel stehen wird, war zunächst unklar.

"Belle et Bête" schlägt seit vergangenen Donnerstag in Frankreich hohe Wellen. Iacub gibt an, mit Strauss-Kahn von Januar bis August 2012 eine Affäre gehabt zu haben. In dem Buch kommt Strauss-Kahns Name zwar nicht vor; Iacub hat aber bestätigt, dass der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten die Hauptfigur ihres Buches ist. Das Buch, in dem der 63-Jährige als "halb Mann, halb Schwein" bezeichnet wird, vermischt demnach wahre Begebenheiten mit Fiktion.

Vor Gericht hatte sich Strauss-Kahn zuvor schockiert gezeigt. Er nannte das Buch "verachtenswert und verlogen" und warf der Autorin vor, mit ihrem Angriff auf "einen Mann, der bereits am Boden liegt" nur Geld machen zu wollen. In einer ersten Reaktion sprach sein Anwalt Richard Malka von einer "ausgezeichneten Entscheidung" des Gericht. Sie stärke den Schutz der Privatsphäre sowie "einige Prinzipien, auf denen unsere Demokratie basiert", sagte er auf iTélé. Es dürfe nicht angehen, dass immer mehr und größerer "Schund" veröffentlicht werde unter dem "Vorwand, dass es sich um Literatur und Journalismus handelt".

Strauss-Kahn war im Mai 2011 als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgetreten, nachdem er in New York wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen worden war. Ihm wurde vorgeworfen, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zum Oralsex gezwungen zu haben. Ein Strafprozess wurde wegen mangelnder Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens später eingestellt, im Dezember setzte Strauss-Kahn mit einer außergerichtlichen Einigung mit dem Zimmermädchen auch einen Schlussstrich unter das Zivilverfahren.

In Frankreich wird gegen "DSK" in einer Callgirl-Affäre wegen "bandenmäßiger Zuhälterei" ermittelt. Dabei geht es um Sex-Partys mit Prostituierten in Paris, Brüssel und Washington, an denen neben Strauss-Kahn auch ranghohe Polizisten und Geschäftsmänner teilnahmen.

AFP

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