14. April 2012, 17:18 Uhr

Erneut Tote in Syrien vor UN-Beschluss über Beobachter

Am dritten Tag der brüchigen Waffenruhe in Syrien sind nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mindestens acht Menschen getötet worden.

Am dritten Tag der brüchigen Waffenruhe in Syrien sind nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mindestens acht Menschen getötet worden. In Aleppo erschossen die Sicherheitskräfte vier Teilnehmer einer Trauergemeinde, die Armee griff auch die Rebellenhochburg Homs an. Ein Beschluss des UN-Sicherheitsrates zur Entsendung von Beobachtern ist laut russischem Außenministerium praktisch sicher. Unterdessen geht die Bundesregierung einem Bericht nach, demzufolge mit einem deutschen Frachter Waffen aus dem Iran nach Syrien geliefert werden sollten.

In Aleppo wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle vier Zivilisten getötet, als die staatlichen Sicherheitskräfte auf eine Trauergemeinde feuerten, die einen am Vortag getöteten jungen Mann zu Grabe trug. Es war der blutigste Zwischenfall seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe am Donnerstag.

In Homs sei ein Zivilist getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Die Armee kontrolliere 70 Prozent der drittgrößten Stadt des Landes. Den Tod eines weiteren Zivilisten meldete die Beobachtungsstelle aus Dmeir, zudem seien in Daraa zwei Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden.

Die Waffenruhe ist Teil eines Sechs-Punkte-Plans des internationalen Syrien-Sondergesandten Kofi Annan. Der Annan-Plan werde immer wieder gebrochen, aber "es gibt keine Kämpfe und die Zahl der Opfer ist drastisch zurückgegangen", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. "Das ist grundsätzlich positiv."

Regierung und Rebellen werfen sich gegenseitig vor, gegen die Waffenruhe zu verstoßen. Der UN-Sicherheitsrat wollte noch am Samstag über eine Entsendung von Beobachtern zur Überwachung der Waffenruhe entscheiden. Die Einigung sei "praktisch" sicher, erklärte das Außenministerium in Moskau wenige Stunden vor der Abstimmung, die für 17.00 Uhr MESZ angesetzt war.

Geprüft wird unterdessen ein Bericht, demzufolge mit einem deutschen Frachter Waffen nach Syrien gebracht werden sollten. "Der geschilderte Sachverhalt ist der Bundesregierung bekannt", erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. "Alle Einflussmöglichkeiten" würden genutzt, um "mögliche Embargoverstöße" aufzuklären. Der "Spiegel" berichtete auf seiner Website, die "Atlantic Cruiser" der Emder Reederei Bockstiegel sei mit "schwerem Militärgerät und Munition" für die syrischen Truppen im Mittelmeer gestoppt worden.

"Nach unseren jetzigen Kenntnissen handelt es sich um ein Schiff eines deutschen Eigentümers", erklärte die Ministeriumssprecherin. Das Charterunternehmen - laut "Spiegel" die C.E.G. Bulk Chartering - habe das Schiff "unter die Flagge eines Drittstaates gestellt". Die Einzelheiten seien jedoch noch nicht bekannt, so dass das Ministerium dazu noch nicht Stellung nehmen könne, fügte die Sprecherin hinzu.

Die "Atlantic Cruiser" hatte ihre Ladung laut "Spiegel" vor einigen Tagen im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Frachter übernommen. Durch Überläufer bei den syrischen Behörden sei die Fracht jedoch bekannt und die Reederei gewarnt worden. Daraufhin habe die "Atlantic Cruiser" am Freitagnachmittag plötzlich ihren Kurs geändert und sei im Mittelmeer gestoppt worden. Sie war dem Bericht zufolge an eine ukrainische Firma vermietet.

AFP