12. April 2012, 10:03 Uhr

Ernst führt Linke nach Lötzsch-Rücktritt vorerst allein

Nach dem Rücktritt von Linken-Chefin Gesine Lötzsch übernimmt ihr Ko-Parteichef Klaus Ernst die Führung der Partei bis zum Wahlparteitag im Juni alleine.

Nach dem Rücktritt von Linken-Chefin Gesine Lötzsch übernimmt ihr Ko-Parteichef Klaus Ernst die Führung der Partei bis zum Wahlparteitag im Juni alleine. Lötzsch trat wenige Wochen vor den wichtigen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen überraschend zurück. Sie gibt ihr Amt wegen einer altersbedingten Erkrankung ihres 80-jährigen Mannes ab.

Lötzsch sagte in einer kurzen Stellungnahme, die Entscheidung zum Rückzug aus dem Amt sei ihr nicht leicht gefallen. Wegen der Erkrankung ihres Mannes habe sie bereits vor Wochen Wahlkampftermine absagen müssen, am 31. März sei er in die Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses eingeliefert worden. Sie werde sich nunmehr auf ihre Arbeit als Bundestagsabgeordnete konzentrieren. Sie wolle keine "halben Sachen" machen, sagte die 50-Jährige.

Lötzsch, die seit Mai 2010 Parteichefin der Linken war, hatte noch im Oktober erklärt, dass sie bei der Wahl der neuen Parteiführung in diesem Jahr erneut für den Parteivorsitz kandidieren wolle.

Sie galt aber auch wegen anhaltend magerer Umfragewerte der Partei ebenso wie Ernst intern als umstritten. Lötzsch war zudem wegen ihrer umstrittenen Thesen zum Kommunismus und einem Glückwunschtelegramm an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro in die Kritik geraten. Zuletzt war es wegen der von Lötzsch forcierten Präsidentschaftskandidatur der Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld für die Linke zu internen Unstimmigkeiten gekommen.

Ernst sagte, er bedauere den Rücktritt seiner Amtskollegin sehr: "Ich habe mit Gesine Lötzsch gut zusammengearbeitet." Auf einer Telefonkonferenz habe sich der Vorstand einmütig darauf verständigt, dass er die Linke bis zum Parteitag alleine weiter führen werde. Nun werde seine Partei all ihre Kraft in die Landtagswahlkämpfe stecken. Erst nach den Wahlen werde sich die Linke mit den Vorbereitungen der Personalentscheidungen des Parteitags befassen. Ernst wollte sich weder zu seinen eigenen Plänen noch zu einer möglichen Spitzenkandidatur von Oskar Lafontaine äußern.

Linken-Fraktionsvize Ulrich Maurer äußerte die Hoffnung, dass sich der frühere Parteivorsitzende Lafontaine erneut für den Posten bewirbt. "Wer ihn kennt, der weiß, dass er sonst längst nein gesagt hätte", sagte er dem RBB-Inforadio. "Ich hoffe, dass Oskar Lafontaine seine Kandidatur erklärt", sagte auch Maurers Amtskollege Jan van Aken der "Welt". "Ein früherer Termin wäre gut, nicht erst kurz vor dem Parteitag im Juni."

Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow sprach sich in der "Leipziger Volkszeitung" hingegen für eine Parteispitze aus dem früheren Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch und der stellvertretenden Parteichefin Sahra Wageknecht aus. Dies wäre mit einem Spitzenkandidaten-Duo aus Lafontaine und Fraktionschef Gregor Gysi bei der Bundestagswahl 2013 "der Idealfall". Nun müsse die Partei aber "erst mal gemeinsam den Nachweis führen, dass wir in Nordrhein-Westfalen die 5,01 Prozent schaffen und nicht Schuldige suchen".

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann erklärte in Berlin, die Linke stehe "mitten im Existenzkampf vor einer Führungsdebatte". Die Partei sei "auf dem Weg, zum großen Verlierer des Wahlfrühlings zu werden". Weder Lafontaine noch Wagenknecht würden den Niedergang der Linkspartei aufhalten.

AFP