Erstmals Aussage eines Angeklagten im NSU-Prozess

4. Juni 2013, 18:13 Uhr

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat erstmals einer der Angeklagten ausgesagt.

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Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat erstmals einer der Angeklagten ausgesagt. Der mutmaßliche NSU-Helfer Carsten S. schilderte vor Gericht zunächst seinen Lebensweg und seine Zeit in der rechten Szene. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit dem Angeklagten Ralf Wohlleben eine Tatwaffe beschafft zu haben. S. sagte sich nach Auffassung der Ermittler mittlerweile glaubhaft vom Rechtsextremismus los. Vor der Aussage von S. hatte die Verteidigung der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe die Einstellung des Verfahrens beantragt.

Der 33-jährige S. sagte in seiner Befragung, er sei erstmals als Lehrling mit rechtsradikalen Ideen in Berührung gekommen. Im Jahr 1997 nahm er demnach etwa an einer NPD-Demo teil. Im Jahr 2000 stieg er nach eigener Darstellung aus der rechten Szene aus.

Zschäpes Anwältin Anja Sturm begründete ihren Antrag auf Einstellung des Verfahrens unter anderem damit, dass es durch Vertreter des Staates eine "beispiellose Vorverurteilung" ihrer Mandantin gegeben habe. Die Bundesanwaltschaft forderte, den Antrag als "unbegründet" abzulehnen.

Vor dem OLG müssen sich neben Zschäpe vier mutmaßliche Helfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) verantworten. Der NSU, zu dem neben Zschäpe die verstorbenen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zählten, soll für zehn Morde, zwei Bombenanschläge und fünfzehn Banküberfälle verantwortlich sein. Die Hauptangeklagte Zschäpe will sich in dem Prozess nicht zu den Vorwürfen äußern.

AFP