Ex-Kammerdiener fühlt sich nur Papst gegenüber schuldig

2. Oktober 2012, 18:43 Uhr

Der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI.

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Der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. hat sich des schweren Diebstahls für unschuldig erklärt, aber eine Schuld gegenüber dem Papst auf sich genommen. In seiner ersten Aussage vor Gericht im Vatikan sagte Paolo Gabriele zudem, er habe allein gehandelt, als er vertrauliche Dokumente an die Presse weitergab. Der 46-Jährige, dem bis zu vier Jahre Haft drohen, beschwerte sich ferner über seine Haftbedingungen.

"Bezüglich des schweren Diebstahls erkläre ich mich für unschuldig. Aber ich fühle mich schuldig, das Vertrauen des Heiligen Vaters, das dieser in mich gesetzt hat, verraten zu haben", sagte Gabriele. Das Oberhaupt der katholischen Kirche liebe er, als sei er dessen "Sohn". Gabriele sagte zudem, er habe "ohne Komplizen" agiert, verfüge jedoch über zahlreiche "Kontakte" im Vatikan. Er sei ferner nicht der einzige gewesen, der "im Laufe der Jahre vertrauliche Informationen an die Medien weitergegeben" habe. Für die Weitergabe der Dokumente habe er kein Geld bekommen.

Was ihn geschockt habe, sei die Tatsache gewesen, dass Papst Benedikt XVI. ihn immer wieder Dinge gefragt hätte, über die er eigentlich hätte informiert sein müssen, sagte der frühere Kammerdiener und verheiratete Vater dreier Kinder. Da sei er zu der Überzeugung gelangt, "dass es einfach ist, jemanden zu manipulieren, der eine so große Macht besitzt". Gabriele wird vorgeworfen, über Monate hinweg vertrauliche Dokumente kopiert und dem Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt zu haben. Ihm drohen bis zu vier Jahre Haft, sollte der Papst ihn nicht begnadigen.

Gabriele wurde im Mai festgenommen, saß mehrere Wochen lang im Gefängnis und steht nun unter Hausarrest. Vor Gericht kritisierte der 46-Jährige zudem seine Haftbedingungen. Zu Beginn der Haftzeit sei er in einer Zelle gewesen, in der rund um die Uhr das Licht gebrannt habe und er nicht einmal seine Arme habe ausstrecken können. Er sprach von "psychologischem Druck".

Die Gendarmerie des Vatikan erklärte dazu, die Vorschriften der Zelle entsprächen denen in anderen Ländern. Zudem habe das Licht "aus Anforderungen der Sicherheit" durchgängig gebrannt und damit sich der Beschuldigte nicht verletze. Nach rund 20 Tagen sei Gabriele in eine andere Zelle verlegt worden.

Außer Gabriele sagten weitere Zeugen aus, darunter auch der Privatsekretär Benedikts XVI., der Deutsche Georg Gänswein. Er habe "absolutes Vertrauen" in Gabriele gehabt, erklärte dieser. Im Laufe der Jahre habe es nie einen Anlass gegeben, an dem Kammerdiener zu zweifeln.

Gabriele hatte gegenüber den Ermittlern zugegeben, die Geheimdokumente entwendet zu haben. Der Prozess soll aber auch klären, ob seine Aussagen in allen Punkten der Wahrheit entsprechen. Er sagte den Ermittlern zudem, er habe die Papiere weitergegeben, um "das Böse und Korruption" zu bekämpfen.

AFP