Familie von vergewaltigter Inderin fordert Todesstrafe

31. Dezember 2012, 14:03 Uhr

Nach dem Tod der von sechs Männern vergewaltigten Inderin hat die Familie des Opfers die Todesstrafe für die Täter gefordert.

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Nach dem Tod der von sechs Männern vergewaltigten Inderin hat die Familie des Opfers die Todesstrafe für die Täter gefordert. "Wir wollen alle Angeklagten hängen sehen, und wir werden dafür kämpfen bis zum Ende", sagte der Bruder der verstorbenen Frau der Zeitung "Indian Express". Angesichts des Schocks über den Tod der Studentin wurden in Indien zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt.

"Der Kampf hat gerade erst begonnen", sagte der Bruder. Der Vater der jungen Frau sagte dem Blatt, seine Ehefrau habe seit zwei Wochen kaum etwas gegessen. "Sie war erschöpft", sagte er. "Ich glaube, sie war nicht bereit, dem Schock über den Tod unserer Tochter ins Auge zu blicken, auch wenn die Ärzte uns immer sagten, es sei ernst." Seine Frau habe nach dem Tod der Tochter am Samstag in einer Klinik in Singapur die ganze Zeit geweint, sagte der Vater, der wie die ganze Familie öffentlich nicht mit Namen genannt wurde.

Der Vater, der mit der Familie beim Tod seiner Tochter in Singapur zugegen war, sagte, auch er kämpfe damit, die Nachricht zu verkraften. "Es ist so schmerzvoll. Ich bin noch nicht wieder in ihr Zimmer gegangen. Sie wurde in diesem Haus geboren, ihre Bücher, ihre Kleidung, alles ist hier", sagte er.

Die 23-jährige Studentin war am 16. Dezember in einem Bus in Neu Delhi von mehreren Männern brutal vergewaltigt und misshandelt worden. Auch ihr Freund wurde schwer verletzt. Beide Opfer wurden anschließend aus dem fahrenden Bus geworfen. Am Samstag erlag die junge Frau in dem Krankenhaus in Singapur ihren Verletzungen, am Sonntag wurde sie in Neu Delhi eingeäschert.

Auch der Vater des verletzten Freundes äußerte sich im "Indian Express". Sein Sohn werde "sein ganzes Leben mit dem Schmerz leben", sagte der Vater. Freunden zufolge wollte die Studentin ihren 28-jährigen Freund im Februar heiraten.

Sechs Männer sind für die Tat wegen Mordes angeklagt. In Indien gibt es die Todesstrafe, sie wird aber nur selten vollstreckt. Nach Polizeiangaben sind die Ermittlungen beinahe abgeschlossen. Die Beamten warteten derzeit noch auf den forensischen Bericht der Ärzte aus Singapur. Anschließend werde ein Gericht entscheiden, wann es zum Prozess komme.

Das Verbrechen an der Studentin löste in Indien eine Diskussion über sexuelle Gewalt gegen Frauen aus und führte zu heftigen Protesten. Auch heute versammelten sich rund 400 Studenten in Neu Delhi, um einen besseren Schutz von Frauen sowie härtere Strafen für Täter zu fordern.

Vor dem Hintergrund der Proteste gab Regierungschef Manmohan Singh eine Neubewertung der Strafen für Sexualverbrechen in Auftrag. Medienberichten vom Montag zufolge könnte Singhs Kongresspartei ein Strafmaß von 30 Jahren Haft sowie eine chemische Kastration für Vergewaltiger vorschlagen. Der Familie der Studentin sagte die Regierung eine Entschädigung von 1,5 Millionen Rupien (20.000 Euro) zu.

Neu Delhi gilt als "Hauptstadt der Vergewaltigungen". Nach Polizeiangaben wird im Durchschnitt alle 18 Stunden eine Vergewaltigung angezeigt.Jetzt wurde von den Behörden eine neue 24-Stunden-Hotline für "Frauen in Not" eingeführt.

Angesichts des Schocks über den Tod der Studentin wurden zum Jahresende zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sagte die indische Armee alle geplanten Feiern ab, um "den letzten Tag des Jahres dem Opfer der Gruppenvergewaltigung zu widmen". Auch Hotels und Bars fuhren ihr Silvesterprogramm zurück.

AFP