Familienministerium begrüßt Sexismus-Debatte

25. Januar 2013, 18:53 Uhr

Das Bundesfamilienministerium hat die durch Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle angestoßene Debatte über Sexismus am Arbeitsplatz begrüßt.

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Das Bundesfamilienministerium hat die durch Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle angestoßene Debatte über Sexismus am Arbeitsplatz begrüßt. Es sei "wichtig, dass das Thema öffentlich diskutiert wird", sagte eine Sprecherin in Berlin. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) griff unterdessen das Magazin "Stern" wegen seiner Berichterstattung über Brüderle scharf an.

Prinzipiell sei es richtig, dass Sexismus am Arbeitsplatz "unabhängig von den aktuellen Anlässen als Dauerthema diskutiert" werde, sagte die Sprecherin von Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Eine Beurteilung der konkreten Vorwürfe, die eine Journalistin gegenüber Brüderle erhoben hatte, wollte sie aber nicht abgeben. Auch wollte sie sich nicht dazu äußern, ob das Verhalten, das Brüderle vorgeworfen wird, auf sexuelle Belästigung hinauslaufe.

Die Sprecherin verwies auf die Definition im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, wo sexuelle Belästigung als "unerwünschtes sexuell bestimmtes Verhalten" definiert wird. Dazu zählen laut Gesetzestext unter anderem "unerwünschte sexuelle Handlungen" oder "Bemerkungen sexuellen Inhalts". Das Familienministerium wies auch auf eine Studie aus dem Jahr 2004 hin, der zufolge 58 Prozent der befragten Frauen in Deutschland angegeben hätten, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. 42 Prozent machten solche Erfahrungen demnach am Arbeitsplatz.

In einem im "Stern" veröffentlichten Beitrag berichtete die heute 29-jährige Journalistin Laura Himmelreich von einer Begegnung mit Brüderle Anfang 2012, bei welcher der FDP-Politiker anzügliche Bemerkungen gemacht und ihre Hand geküsst habe. Brüderle habe ihr auf den Busen geschaut und gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

Leutheusser-Schnarrenberger warf dem "Stern" im Portal "Spiegel Online" vor, es gehe dem Blatt "nur um seine Auflage" nach dem Motto "Sex sells". Zugleich habe sich der "Stern" mit seiner Überschrift "Der spitze Kandidat" über Brüderle einer "sexistischen Sprache bedient, die unterirdisch ist", sagte die FDP-Vizechefin.

Grünen-Chefin Claudia Roth und die frauenpolitische Sprecherin der Partei, Astrid Rothe-Beinlich, sprachen dagegen von einer "überfälligen Debatte". Sie kritisierten, dass mit den Vorwürfen gegen Himmelreich "das Opfer-Täter-Prinzip verkehrt" werde.

Der Chef der Deutschen Knigge-Gesellschaft, Hans-Michael Klein, wertete das Verhalten Brüderles in den Zeitungen der WAZ-Gruppe als "plump, geil und ekelhaft". Zwar sei "Anbaggern an sich legitim", doch "es kommt auf die richtige Form an".

AFP