Mit einsetzender Dunkelheit machen sich die ersten französischen Panzer von der malischen Hauptstadt Bamako aus auf den Weg in Richtung Norden.
Mit einsetzender Dunkelheit machen sich die ersten französischen Panzer von der malischen Hauptstadt Bamako aus auf den Weg in Richtung Norden. Sie lassen Massen von begeisterten Maliern zurück, die sie mit Fähnchen in der Hand und "Merci la France"-Rufen begrüßt hatten. Auch für 14 Soldaten, die zuvor an einer französischen Mission im Tschad teilgenommen hatten, beginnt nun die Bodenoffensive in Mali.
Eskortiert von einem Aufklärungsflugzeug, das mit Infrarot-Kameras islamistische Kämpfer in der Nähe aufspüren soll, bewegen sich die Panzer über die staubige Straße in Richtung der Stadt Markala, 270 Kilometer nördlich von Bamako. Dort sollen sie eine französische Spezialeinheit ablösen und eine strategisch wichtige Brücke über den Fluss Niger sperren, um das weitere Vorrücken der Islamisten zu stoppen.
Die Spezialtruppe habe bei der Umorganisation der malischen Streitkräfte geholfen und wolle nun tiefer ins Terrain vordringen, erläutert der Leiter der kleinen Einheit, Leutnant Marc, der nur seinen Vornamen nennen will. Das gepanzerte Fahrzeug namens "Cobra", mit dem die Männer unterwegs sind, ist in ständigem Funkkontakt mit dem Flugzeug "Pegase", das die Route sichern soll. "Cobra, hier Pegase", tönt es aus dem Lautsprecher. "Die Straße ist auf den nächsten zehn Kilometern frei." In Markala werden Marc und seine Soldaten am frühen Morgen von Kameraden der Spezialeinheit empfangen. Sie haben in einer halbfertigen Fabrik ein Quartier für rund hundert Soldaten eingerichtet.
Die Gotteskrieger, die im vergangenen April den Norden Malis überfallen hatten und seither die Bevölkerung terrorisieren, begannen in der vergangenen Woche einen Vorstoß in Richtung Süden, der noch von der Regierung kontrolliert wird. Grund genug für Frankreich, seiner früheren Kolonie zu Hilfe zu kommen und den Vormarsch der Aufständischen - Experten zufolge regelrechte kriminelle Banden - zu stoppen.
Für die Militärintervention "Serval" - benannt nach einer kleinen afrikanischen Wildkatze - wurden bisher rund 800 französische Soldaten nach Mali abkommandiert. Einige reisten aus ihrer Kaserne im westfranzösischen Mans an, andere waren bereits in Afrika im Einsatz, im Tschad und an der Elfenbeinküste.
Zunächst beschränkte sich Paris sich auf Luftangriffe auf mutmaßliche Stützpunkte der Islamisten, doch am Dienstag setzten sich französische Bodentruppen in Bewegung. Sie sollen eine Mission der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS unterstützen, für die rund 3300 Mann Soldaten aus mehreren Ländern erwartet werden. Für die als besonders schwach und unorganisert geltende malische Armee hat die Europäische Union zudem eine Ausbildungsmission beschlossen, die Mitte Februar anlaufen soll.
Bei den Franzosen ruft die legendäre Schwäche der malischen Armee sarkastische Kommentare hervor. Im malischen Regiment, "wenn man das so nennen will", gebe es nur eine "Handvoll mutiger Soldaten", und auch die hielten einer Attacke der Islamisten nicht länger als eine halbe Stunde stand, meint ein Soldat der französischen Spezialeinheit, der sich "Vasco" nennt.
Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian räumte bereits ein, dass den französischen Truppen in Mali - deren Zahl auf rund 2500 Mann aufgestockt werden soll - ein harter und langer Kampf gegen die islamistischen Kämpfer bevorsteht. Deren Zahl schätzt Frankreich auf rund 1300. Schwierig sei es vor allem im Westen, sagte Le Drian. Dort hätten es die Franzosen mit den "fanatischsten" Gruppen zu tun, die noch dazu am besten organisiert und am stärksten bewaffnet seien.
Einen Vorgeschmack lieferten am Mittwoch die Gefechte französischer Spezialeinheiten mit islamistischen Kämpfern in der Stadt Diabali. Augenzeugen berichteten von Kämpfen "Mann gegen Mann". Das 400 Kilometer nördlich von Bamako gelegene Diabali war in dieser Woche von islamistischen Aufständischen eingenommen worden. Nun wollen die Franzosen die Stadt zurückerobern. Zur Unterstützung der Spezialeinheiten haben sich schon französische Bodentruppen auf den Weg nach Diabali gemacht.