Französische Zeitschrift druckt Mohammed-Karikaturen

19. September 2012, 09:03 Uhr

Die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" will in ihrer neuen Ausgabe mehrere Karikaturen des Propheten Mohammed drucken.

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Die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" will in ihrer neuen Ausgabe mehrere Karikaturen des Propheten Mohammed drucken. Die Zeichnungen würden "jene schockieren, die schockiert werden wollen, wenn sie eine Zeitschrift lesen, die sie sonst nie lesen", sagte der Zeichner und Direktor der Wochenzeitschrift, Charb, dem Fernsehsender iTélé. Angesichts der wegen des islamfeindlichen Films ohnehin angeheizten Stimmung bei Muslimen stieß die Ankündigung umgehend auf Kritik.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief zur Besonnenheit bei der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen auf. "Ich will dazu aufrufen, dass wir nicht auch noch Öl ins Feuer gießen", sagte Westerwelle im ZDF-"Morgenmagazin". Zwar gelte in Europa die Presse- und Meinungsfreiheit. Die Meinungsfreiheit sei aber "nicht grenzenlos".

Angesichts der in "Charlie Hebdo" abgedruckten Mohammed-Karikaturen sagte Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault, dass diejenigen, die sich davon verletzt fühlten, die Möglichkeit hätten, gerichtlich dagegen vorzugehen. Frankreich sei ein Rechtsstaat, in dem die Meinungsfreiheit und die "Freiheit der Karikatur" garantiert würden, sagte Ayrault dem Rundfunksender RTL. "Es gibt keinen Grund, dass wir Konflikte in unser Land lassen, die Frankreich nicht betreffen", sagte der Premier. Auch Außenminister Laurent Fabius warnte während eines Besuchs in Ägypten vor "jeder Provokation".

Seit vergangener Woche sorgt ein in den USA produzierter islamfeindlicher Film unter Muslimen für Empörung. Bei teils gewaltsamen Protesten vor US-Einrichtungen in Libyen, Tunesien, Sudan und dem Jemen wurden mehrere Menschen getötet.

Der Leiter der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, rief zur Ruhe auf und forderte, "kein Öl ins Feuer zu gießen". Er habe die Ankündigung "einer Veröffentlichung, die die allgemeine Empörung in der muslimischen Welt noch zu verstärken droht, mit Erstaunen, Trauer und Sorge" aufgenommen, sagte Boubakeur der Nachrichtenagentur AFP. Der Französische Rat der Muslime (CFCM) äußerte sich "bestürzt" über die angekündigte Veröffentlichung "beleidigender Zeichnungen".

"Ist die Pressefreiheit eine Provokation?", fragte Charb auf iTélé. "Ich rufe strenggläubige Muslime ebensowenig auf, Charlie Hebdo zu lesen, wie ich in eine Moschee gehe, um einen Diskurs anzuhören, der meinen Überzeugungen widerspricht." Im November 2011 waren Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" in Brand gesetzt worden, nachdem die Satire-Zeitschrift eine Karikatur des Propheten Mohammed auf ihrem Titelblatt gedruckt hatte. Diesmal sollten jedoch nur ein Muslim und ein Jude auf der ersten Seite erscheinen, sagte Charb.

AFP