Führende Grüne fordern Roth zum Weitermachen auf

11. November 2012, 17:08 Uhr

Nach der Niederlage von Parteichefin Claudia Roth bei der Urwahl des Grünen-Spitzenduos für die Bundestagswahl haben führende Grünen-Politiker für einen Verbleib Roths an der Parteispitze plädiert.

Nach der Niederlage von Parteichefin Claudia Roth bei der Urwahl des Grünen-Spitzenduos für die Bundestagswahl haben führende Grünen-Politiker für einen Verbleib Roths an der Parteispitze plädiert. Co-Parteichef Cem Özdemir sagte der "Berliner Zeitung", er hoffe sehr, dass Roth "an der Kandidatur für den Bundesvorsitz festhält". Roth selbst will sich nach Parteiangaben erst am Montag zum Urwahl-Ausgang äußern.

Dabei wird mit Spannung erwartet, ob Roth ihre erneute Bewerbung um den Vorsitz beim Grünen-Bundesparteitag kommendes Wochenende in Hannover aufrecht erhält. Die Urwahl des Grünen-Spitzenduos hatten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin für sich entschieden. Die Bundestagsvizepräsidentin und der Fraktionschef erhielten nach Grünen-Angaben vom Samstag 47,3 Prozent beziehungsweise 71,9 Prozent Zustimmung. Auf die Ko-Fraktionschefin Renate Künast entfielen 38,6 Prozent, auf Roth nur 26,2 Prozent. Insgesamt beteiligten sich knapp 61,7 Prozent der rund 60.000 Parteimitglieder an der Abstimmung.

Trittin gehört dem linken Flügel an, Göring-Eckardt dem realpolitischen Flügel. Göring-Eckardt sagte, sie werde ihr Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ruhen lassen. Die beiden Spitzenkandidaten kündigten an, sie wollten im Wahlkampf breite Wählerschichten ansprechen. Trittin sagte in Berlin, die Partei müsse das gesamte Spektrum an Themen abbilden.

Göring-Eckardt unterstrich am Samstag in den ARD-"Tagesthemen", die Grünen wollten "die bürgerliche Mitte, wenn man sie so nennen will, niemand anderem überlassen". Der "Leipziger Volkszeitung" sagte Göring-Eckardt, sie stehe gerne dafür, "eine Garantin für die 'neue Bürgerlichkeit', für den neuen Zusammenhalt" zu sein, ohne dass darunter nur der Nutzen für den eigenen Geldbeutel verstanden werde. Sie wolle sich mit den Grünen um die Menschen bemühen, "die früher nicht automatisch grün gewählt haben, die sich das jetzt aber überlegen".

In der Debatte um die Zukunft von Roth verwies Özdemir darauf, dass Spitzenkandidatur und Parteivorsitz "zwei Paar Stiefel" seien. "Es gibt eine sehr breite Unterstützung in der Partei dafür, dass Claudia erneut als Bundesvorsitzende gewählt wird."

Auch der Grünen-Fraktionsvize Frithjof Schmidt würdigte Roths Erfolge als Parteichefin. Roth habe die Grünen in den vergangenen Jahren "maßgeblich zusammengehalten und immer integrierend gewirkt", sagte Schmidt der "tageszeitung". "Ich kenne niemanden in der Partei, der nicht hofft, dass sie dies als Vorsitzende auch im wichtigen Wahljahr tut."

Der Vorsitzende des mitgliederstärksten Grünen-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Sven Lehmann, vertrat die Auffassung, die Grünen könnten die Bundestagswahl 2013 "nur im Team gewinnen, und Claudia Roth gehört zu diesem Team dazu". Ein Schwerpunkt im Wahlkampf werde eine "moderne, gleichberechtigte Gesellschaft" sein. "Claudia Roth ist Garant dafür, dass die Grünen die Partei der gesellschaftlichen Vielfalt und Buntheit bleiben."

Künast rief die Partei nach der Urwahl zur Geschlossenheit auf. Göring-Eckardt und Trittin hätten nunmehr "das starke Votum der Partei im Rücken", sagte sie. In der "Leipziger Volkszeitung" vertrat Künast die Auffassung, die Grünen müssen Partei der linken Mitte bleiben.

 
 
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