Zahlreiche Demonstranten aus dem linken Spektrum haben in Rostock der ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren gedacht.
Zahlreiche Demonstranten aus dem linken Spektrum haben in Rostock der ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vor 20 Jahren gedacht. Nach Polizeiangaben versammelten sich am Mittag gut tausend Teilnehmer vor dem Rathaus der Stadt, weitere wurden erwartet. Ein Sprecher der Organisatoren bezifferte die Zahl der Demonstranten auf 4500. Am Nachmittag ist ein Gedenkmarsch durch die Stadt geplant.
Demonstranten brachten nach Auskunft eines Sprechers am Rathaus eine Gedenktafel an. Dabei handelt es sich um das Replikat einer Tafel, die im Herbst 1992 eine Gruppe französischer Juden in Begleitung der deutsch-französischen Journalistin Beate Klarsfeld an derselben Stelle anbringen wollte. Sie waren seinerzeit von der Stadtverwaltung und der Polizei daran gehindert worden. Die Tafel erinnert an die Lichtenhagener Ausschreitungen und an die Ermordung von 3000 Juden, Sinti und Roma 1944 im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau. Unter den 1992 in Lichtenhagen angegriffenen Asylsuchenden waren zahlreiche Sinti und Roma.
Die Initiatoren der Gedenkveranstaltung erklärten, Rassismus sei "kein Randphänomen". Er sei 1992 "in der Mitte der Gesellschaft" gediehen und "von bürgerlichen Parteien und Medien geschürt" worden. Sie kritisierten zudem die deutsche Asylpolitik und die Unterbringung von Asylsuchenden.
Am Sonntag wird Bundespräsident Joachim Gauck zu einer Gedenkveranstaltung in Lichtenhagen erwartet. Im August 1992 hatten Jugendliche und Erwachsene in Rostock die überfüllte Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein benachbartes Heim für vietnamesische Arbeiter mit Steinen und Brandsätzen tagelang angegriffen, ohne von der Polizei wirksam gestoppt zu werden. Aus der Menge der Schaulustigen bekamen sie dafür immer wieder Applaus.