11. August 2010, 10:11 Uhr

Tierschützer zeigen Niedersachsens Agrarministerin Grotelüschen an

In der Affäre um Tierquälerei-Vorwürfe gegen Putenmastställe, in die auch Niedersachsens Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) verstrickt sein soll, hat die Tierschutzorganisation Peta Strafanzeige gestellt.

In der Affäre um Tierquälerei-Vorwürfe gegen Putenmastställe, in die auch Niedersachsens Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) verstrickt sein soll, hat die Tierschutzorganisation Peta Strafanzeige gestellt. Peta habe Strafanzeige gegen die Mäster und die Familie Grotelüschen gestellt, sagte Peta-Berater Edmund Haferbeck der "Frankfurter Rundschau" vom Mittwoch. Die Vorwürfe richten sich gegen die Haltung von Puten durch eine Erzeugergemeinschaft in Mecklenburg-Vorpommern, an der eine Firma von Grotelüschens Mann beteiligt ist. Die Ministerin weist die Anschuldigungen zurück.

Nach Abgaben des Sprechers von Grotelüschen hatten die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern den beiden im dem TV-Beitrag genannten Betrieben nach einer Vorortkontrolle ordnungsgemäße Arbeit bescheinigt. Zudem gebe es eidesstattliche Versicherungen von beiden Betreibern, dass die Aufnahmen nicht aus ihren Ställen stammten. Es gebe "berechtigte Zweifel an der Authentizität der Aufnahmen".

Die Bilder stammen von der Tierschutzorganisation Peta. In dem TV-Beitrag sagte der Tierarzt Karl Fikuart von der Bundestierärztekammer mit Blick auf die Aufnahmen: "Das ist eindeutig Tierquälerei."

Grotelüschens Sprecher räumte ein, die Putenbrüterei des Ehemanns der Ministerin im Oldenburger Land sei zu 30 Prozent an der Erzeugergemeinschaft in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. Dabei handele es sich aber lediglich um ein Vermarktungsinstrument. Jeder der 24 Mastbetriebe der Erzeugergemeinschaft sei unabhängig, und an keinem dieser Betriebe sei die Familie Grotelüschen beteiligt. Er bestätigte auch, dass die Ministerin vor dem Jahr 2001 fünf Jahre lang Prokuristin der Erzeugergemeinschaft war: "Sie hat die fraglichen beiden Betriebe aber noch nie im Leben betreten."

Die Oppositionsparteien SPD und Grüne im niedersächsischen Landtag forderten am Dienstag eine umgehende Unterrichtung über eine mögliche Mitverantwortung der Ministerin an der Tierquälerei, die Linksfraktion sogar den sofortigen Rücktritt von Grotelüschen. Sie war erst im April vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) als Landwirtschaftsministerin berufen worden. Zuvor hatte sie seit 2009 dem Bundestag angehört.

AFP
 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Tierschutz in Deutschland So qualvoll stirbt Schlachtvieh

Dreieinhalb Millionen Rinder und 56 Millionen Schweine wurden in Deutschland 2009 geschlachtet. Viele der Tiere mussten unnötige Schmerzen erleiden - weil an der falschen Stelle gespart wird.