Göring-Eckardt und Trittin Spitzenkandidaten der Grünen

10. November 2012, 15:48 Uhr

Die Grünen ziehen mit dem Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin in den Bundestagswahlkampf 2013.

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Die Grünen ziehen mit dem Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin in den Bundestagswahlkampf 2013. Die Bundestagsvizepräsidentin und der Fraktionschef gewannen die Urwahl über die Spitzenkandidatur, wie die Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke in Berlin sagte. Die beiden setzten sich damit unter anderem gegen Parteichefin Claudia Roth und Ko-Fraktionschefin Renate Künast durch.

Göring-Eckardts Erfolg kam überraschend. Sie errang bei der bundesweit bislang einmaligen Urwahl einer Partei für die Spitzenkandidatur mit 47,3 Prozent ein unerwartet gutes Ergebnis. Trittin schaffte mit 71,9 Prozent das beste Resultat aller 15 Kandidaten. Auf Künast entfielen 38,6 Prozent, auf Roth 26,2 Prozent. Zur Urwahl waren außer den vier Führungspolitikern noch elf unbekannte Parteimitglieder angetreten. Sie erzielten allerdings nur schlechte Resultate von zumeist weniger als einem Prozent. Insgesamt beteiligten sich knapp 61,7 Prozent der rund 60.000 Parteimitglieder an der Abstimmung.

Lemke zeigte sich überrascht von dem guten Abschneiden Göring-Eckardts. Es sei nicht das Ergebnis, "das ich für am wahrscheinlichsten gehalten habe", sagte die Bundesgeschäftsführerin. Die Basis habe sich für die Balance zwischen den Parteiflügeln sowie die Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung entschieden. Die bundespolitisch bisher weniger in Erscheinung getretene Göring-Eckardt gehört dem realpolitischen Flügel der Grünen an, Trittin dem linken Flügel.

Die beiden Spitzenkandidaten kündigten an, sie wollten im Bundestagswahlkampf breite Wählerschichten ansprechen. Die jüngsten Erfolge der Grünen in Baden-Württemberg zeigten, "dass die bürgerliche Mitte eine bessere Gesellschaft will", sagte Göring-Eckardt. Die Grünen wollten einen Kurs einschlagen, "der für Zusammenhalt steht". Trittin sagte, die Partei müsse das gesamte Spektrum an Themen abbilden.

Beide Kandidaten machten deutlich, dass sie nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr die Ablösung von Schwarz-Gelb durch eine rot-grüne Koalition anstreben. Es gehe um "Grün oder Merkel", sagte Göring-Eckardt. "Deutschland braucht einen Kurswechsel", betonte Trittin. "Wir wollen einen grünen Wandel."

Göring-Eckardt kündigte an, ihr Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ruhen zu lassen. Sie lehnte allerdings die Forderung der stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Birgit Homburger ab, auch das Amt der Bundestagsvizepräsidentin niederzulegen.

Mit Spannung wird erwartet, ob Roth nach ihrem schlechten Abschneiden bei der Urwahl ihre erneute Bewerbung um den Vorsitz auf dem Parteitag in Hannover am kommenden Wochenende aufrecht erhält. Trittin und Göring-Eckardt sagten, sie wünschten den Kandidaten gute Ergebnisse.

Künast rief die Partei nach ihrer Niederlage zur Geschlossenheit auf. Göring-Eckardt und Trittin hätten nunmehr "das starke Votum der Partei im Rücken", sagte sie. Alle hätten den gemeinsamen Auftrag, die Regierung Merkel abzulösen.

Die SPD, die ein gemeinsames Regierungsbündnis mit den Grünen anstrebt, zeigte sich erfreut über das Ergebnis. "Das ist eine gute Wahl", erklärte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Göring-Eckardt und Trittin seien gute Wahlkämpfer. "Damit sind wir der Ablösung von Schwarz-Gelb einen großen Schritt näher gekommen."

AFP