HINTERGRUND: FDP profitierte mehrfach von Leihstimmen

21. Januar 2013, 15:28 Uhr

Was wäre die FDP ohne Leihstimmen? Bei der Wahl in Niedersachsen hätte sie wohl um den Wiedereinzug in den Landtag zittern müssen, wenn sie nicht so viele Stimmen von Unionsanhängern bekommen hätte.

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Was wäre die FDP ohne Leihstimmen? Bei der Wahl in Niedersachsen hätte sie wohl um den Wiedereinzug in den Landtag zittern müssen, wenn sie nicht so viele Stimmen von Unionsanhängern bekommen hätte. In der Vergangenheit erschien die Lage der Liberalen manchmal sogar existenzbedrohend ohne die Stimmen ihrer großen Koalitionspartner. Dass das Thema Leihstimmen so eng mit der FDP verbunden ist, mag daran liegen, dass diese die älteste der kleinen Parteien in der Bundesrepublik ist.

1972 zu Zeiten von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) fuhr die FDP das erste Mal eine Zweitstimmenkampagne: Die Erststimme sollten die Wähler dem SPD-Direktkandidaten geben, die zweite Stimme den Liberalen. Die Kampagne verfing beim Wähler und wurde zum Erfolg. 1976 wanderten die Wähler in die andere Richtung - damals glaubten die Parteistrategen zutreffend, dass die FDP sicher im Bundestag sein werde, die SPD aber gestärkt werden müsse.

Nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition musste die FDP 1983 um ihren Wiedereinzug in den Bundestag fürchten. Der neue Kanzler Helmut Kohl (CDU) ließ deshalb eine Zweitstimmenkampagne der Liberalen zu, um seine Wiederwahl nicht zu gefährden. Doch das Jahr 1983 zeigte auch die Risiken solcher Kampagnen: In Hessen rief Walter Wallmann, der CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl, zur Stimmenabgabe für die FDP auf. Die FDP kam zwar tatsächlich in den Landtag. Doch die CDU büßte mehr als sechs Prozentpunkte ein, die SPD konnte regieren.

Mitte der 80er Jahre begann die Hochphase einer ganz offensiven Werbung der Liberalen um Leihstimmen mit teils skurrilen Blüten. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus warb 1985 der Komiker und FDP-Anhänger Didi Hallervorden in einer Anzeige mit dem Slogan "Ich möchte die CDU gern mit einem Schuss FDP verfeinern" - ein Kabarettist verulkte die FDP daraufhin als Freie Didi Partei.

Weniger lustig waren die Auseinandersetzungen um Leihstimmen auf Bundesebene in der Endphase der Kohl-Ära. Der damalige FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle beendete 1998 die vorher über längere Zeit praktizierte Zurückhaltung der FDP bei Zweitstimmen. "Die Koalition braucht mehr Pfeffer. Das geht nur mit einer stärkeren FDP", leitete er damals eine massive Kampagne ein, die den Regierungswechsel zu Rot-Grün aber auch nicht verhindern konnte.

AFP