Wie kaum ein anderer Präsident zuvor ist der französische Staatschef Nicolas Sarkozy vor fünf Jahren bei seinem Amtsantritt durchgestartet: Sein Reformeifer und sein Vorpreschen auf internationaler Bühne sorgten für ebenso viel Wirbel wie sein Privatleben.
Wie kaum ein anderer Präsident zuvor ist der französische Staatschef Nicolas Sarkozy vor fünf Jahren bei seinem Amtsantritt durchgestartet: Sein Reformeifer und sein Vorpreschen auf internationaler Bühne sorgten für ebenso viel Wirbel wie sein Privatleben. Auch nach fünf Jahren im Elysée-Palast ist der 57-Jährige immer noch für Überraschungen gut.
Direkt nach seinem Amtsantritt im Mai 2007 legte Sarkozy erst einmal einen symbolträchtigen Kurzurlaub ein: Auf einer Yacht schipperte er samt Familie im Mittelmeer, den Luxustrip bezahlte ein reicher Geschäftsmann. Der Vorwurf, er sei Freund und Günstling der Reichen, haftet ihm auch wegen anderer Vorkommnisse an.
Mit seinem Reformeifer brachte Sarkozy die Republik dann zum Stöhnen: In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit peitschte der wegen seines Aktionismus' "Hyper-Präsident" genannte Sarkozy ein ganzes Bündel von Maßnahmen durch: Milliardenschwere Steuererleichterungen, Zuzahlungen im Gesundheitswesen, Aushöhlung der 35-Stunden-Woche und die Beendigung der Frührente bei Staatskonzernen. Proteste der Gewerkschaften beeindruckten ihn nicht.
Dann aber beherrschte erneut Sarkozys Privatleben die Schlagzeilen. Dem Rummel um die Scheidung von Gattin Cécilia folgte schon wenige Wochen später das medienwirksame Turteln mit Ex-Model Carla Bruni - und Anfang 2008 die Heirat. Selbst Mitglieder der konservativen Regierungsmehrheit waren pikiert und fürchteten, die Sängerin werde als neue First Lady die Wähler verschrecken.
Angesichts sinkender Umfragewerte stürzte sich Sarkozy im Jahr 2008 in seine EU-Präsidentschaft. Zu dieser Zeit hatten die Beziehungen zu Deutschland wegen seiner Dauer-Aktivitäten schon kräftig gelitten. So sorgte sein unabgestimmter Vorstoß für eine Mittelmeerunion in Berlin für Ärger. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll anfangs recht genervt von dem quirligen Präsidenten gewesen sein. Später führte er Frankreich in die integrierte Struktur der NATO zurück und setzte sich an die Spitze der Länder für einen Militäreinsatz in Libyen.
Während der EU-Präsidentschaft Frankreichs eskalierte auch die weltweite Finanzkrise in den USA. Selbst Kritiker zollten dem Präsidenten danach Respekt, weil er sich aktiv um Lösungen bemüht habe. Infolge der Krise steuerte Sarkozy aber auch wirtschaftspolitisch um: Er setzte wie andere ab Ende 2008 auf eine Ankurbelung der Konjunktur, wachsende Schulden waren die Folge.
Die erste große Wahlschlappe mussten Sarkozys Konservative bei den Regionalwahlen im März 2010 einstecken. Zudem machten eine Reihe von Affären dem Präsidenten zu schaffen - angefangen vom Vorwurf der Verschwendung durch seine Kabinettsmitglieder bis hin zu illegalen Parteispenden, die er 2007 für seinen Wahlkampf von L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt erhalten haben soll.
Umso schwieriger war es für Sarkozy, in der Euro-Krise ab Sommer vergangenen Jahres glaubwürdig seinen Sparkurs zu vermitteln. Schon seine Rentenreform aus dem Herbst 2010 zur Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 62 Jahre hatte Millionen Franzosen auf die Straße getrieben. Nun mussten weitere drastische Einschnitte her, um die hohe Staatsverschuldung abzubauen. Vor einer "Explosion Europas" warnte er, um den Franzosen die Dringlichkeit vor Augen zu führen. Den Verlust der AAA-Bonität konnte er dennoch nicht verhindern.
Sarkozy eilte von einem Krisengipfel zum nächsten und profilierte sich als G-20-Präsident, der die Euro-Zone zusammen mit Merkel retten wolle. In seinem Heimatland erschien er vielen dennoch nur als Erfüllungsgehilfe der starken deutschen Kanzlerin - die Wortschöpfung "Merkozy" für das Krisen-Tandem spiegelt dies wider. Die Zusammenarbeit mit Merkel gilt inzwischen aber als so gut, dass die Kanzlerin ihrem Parteifreund im Wahlkampf den Rücken stärken will. Mehrere gemeinsame Auftritte sind geplant.