Bei der Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich zeichnet sich eine hohe Beteiligung ab.
Bei der Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich zeichnet sich eine hohe Beteiligung ab. Bis 17.00 Uhr gaben knapp 72 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab und damit etwas mehr als bei der ersten Runde vor zwei Wochen, wie das Innenministerium mitteilte. Der sozialistische Favorit François Hollande wählte im zentralfranzösischen Tulle, der konservative Präsident Nicolas Sarkozy am Mittag in Paris.
In der ersten Runde zur Präsidentschaftswahl am 22. April hatte die Wahlbeteiligung am späten Nachmittag bei 70,59 Prozent gelegen, so dass nun für die Stichwahl insgesamt eine Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent erwartet wird. Befürchtungen, dass die Zahl der Nicht-Wähler diesmal besonders hoch sein könnte, hatten sich schon in der ersten Runde nicht bewahrheitet. Vor fünf Jahren hatte die Beteiligung in der zweiten Runde um 17.00 Uhr bei 75,1 Prozent gelegen.
Allen Umfragen zufolge dürfte Hollande die Stichwahl mit 52 bis 53,5 Prozent gegen den Amtsinhaber für sich entscheiden. Doch hatte sich der Abstand zwischen beiden zuletzt verringert und lag laut einer Ifop-Umfrage vom Freitag nur noch bei vier Prozentpunkten. Hollande wäre im Falle eines Wahlsieges der erste sozialistische Präsident seit François Mitterrand, der von 1981 bis 1995 an der Spitze Frankreichs stand.
Der Sozialist verbrachte den Wahltag in seinem zentralfranzösischen Wahlbezirk in der Corrèze zusammen mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler. In der Kleinstadt Tulle gab er am Vormittag seine Stimme ab. Dort will er nach 20.00 Uhr vor der Kathedrale auch seine Stellungnahme zu der Wahl abgeben, bevor er am späten Abend nach Paris zurückkehrt. "Das wird ein langer Tag, ich weiß nicht, ob es ein schöner Tag wird, das entscheiden die Franzosen", sagte der 57-Jährige.
Sarkozy stimmte im schicken 16. Bezirk von Paris ab, begleitet von seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy. Der Präsident, der sich im Wahlkampf bis zuletzt als der erfahrene Krisenmanager präsentierte, zugleich aber auch massiv um Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen warb, wurde von Anhängern mit "Nicolas"-Rufen begrüßt.
Weder Le Pen, die in der ersten Runde mit 17,9 Prozent überraschend stark abgeschnitten hatte, noch der Zentrumspolitiker François Bayrou mit seinen rund neun Prozent Wählern, hatten sich vor der Stichwahl für Sarkozy ausgesprochen. Sarkozy müsste aber mindestens drei Viertel der Le-Pen-Wähler auf seine Seite ziehen und zudem Mitte-Wähler für sich gewinnen, um den Sieg zu schaffen. Dem 57-Jährigen haftet das Image eines "Präsidenten der Reichen" an. Hollande hingegen versprach im Wahlkampf, ein "normaler" Präsident sein zu wollen.
Sarkozys Amtszeit endet am 15. Mai, doch soll es im Falle eines Wahlsieges von Hollande bereits ab Sonntagabend einen ersten Kontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geben, wie dessen Sonderberater Jean-Marc Ayrault sagte. Der Sozialist will den EU-Fiskalpakt um ein Wachstumsprogramm ergänzen und hatte damit Ärger in Berlin ausgelöst.
Die Wahllokale schließen in den kleineren Gemeinden auf dem Land um 18.00 Uhr, die letzten um 20.00 Uhr in Großstädten wie Paris. Die Veröffentlichung von Hochrechnungen vor 20.00 Uhr ist in Frankreich verboten, allerdings wurde die Regelung bereits in der ersten Runde durchbrochen. Wahlberechtigt sind insgesamt rund 44,5 Millionen Franzosen. In der erster Runde hatte Hollande 28,6 Prozent erreicht und lag damit rund 1,5 Prozentpunkte vor Sarkozy.