HINTERGRUND: "Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet"

10. September 2012, 17:43 Uhr

Offizieller Verkaufsstart ist am Mittwoch.

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Offizieller Verkaufsstart ist am Mittwoch. Doch schon am Montag ging das Buch "Jenseits des Protokolls" der früheren First Lady Bettina Wulff in einigen Buchhandlungen über den Ladentisch. In dem Werk geht es unter anderem um die Rotlicht-Gerüchte sowie den Rücktritt ihres Mannes Christian Wulff als Bundespräsident.

Kapitel 13 hat die Überschrift "Die Gerüchte" und dreht sich über acht Seiten um Gerüchte, gegen die sich die 38-jährige Wulff inzwischen juristisch wehrt. Sie schreibt: "Mein Pseudonym lautet also angeblich 'Lady Viktoria' und meine Wirkungsstätte soll ein Etablissement namens 'Chateau Osnabrück' gewesen sein. Auch in einem Berliner FKK-Club 'Artemis' soll ich als 'Gesellschaftsdame', um es mal charmant auszudrücken, mitgewirkt haben."

Herausgeber von Zeitungen und Politiker hätten sich hinter vorgehaltener Hand über ihr vermeintliches Vorleben ausgetauscht. "Obwohl ich mich sonst bestimmt für eine starke Frau halte, die so schnell nichts aus der Bahn wirft, habe ich darüber in den Jahren so viel geheult - ich fragte mich: 'Warum? Warum machen die das mit mir?'" Später schreibt sie: "Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte." Zum Wahrheitsgehalt der Gerüchte schreibt Wulff: "Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet. Das ist absoluter Quatsch."

Das Kapitel "Die Vorwürfe" widmet sich auf 16 Seiten den Anschuldigungen gegen ihren im Februar zurückgetretenen Mann. Dabei geht es um den 500.000-Euro-Kredit der Unternehmergattin Edith Geerkens für das Haus des Ehepaars Wulff in Großburgwedel. Sie hätten nichts Verbotenes getan, schreibt Bettina Wulff. "Zum einen haben wir uns die 500.000 Euro nicht schenken lassen und damit schließe ich einen Zinssatz von vier Prozent ein, zum anderen war es keine Lüge, als Christian im Februar im niedersächsischen Landtag gefragt wurde, ob er geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens oder einer Firma mit seiner Beteiligung habe und dies verneinte." Es wäre aber besser gewesen, den privaten Vertrag mit Edith Geerkens im Landtag zu erwähnen.

Zu der günstigen Anschlussfinanzierung durch die Stuttgarter BW-Bank schreibt Bettina Wulff: "Natürlich haben wir uns darüber gefreut und genauso natürlich haben wir auch nicht gesagt: 'Aber das geht doch nicht, schrauben Sie die Zinsen lieber mal ein wenig höher!" Sie hätten aber keine Vorzugsbehandlung bekommen.

Ebenso wenig sei es so gewesen, dass der Freund ihres Mannes, der Filmproduzent David Groenewold, Sylt-Aufenthalte für sie bezahlt habe. Er habe die Aufenthalte gebucht und vorgestreckt. "Ich weiß nicht, warum es für so ungläubiges Erstaunen sorgte, dass mein Mann und ich dann David die Kosten - einmal rund 750 Euro, einmal rund 1500 Euro - in bar erstatteten und dies sogar gleich auf Sylt selbst." Anders als die Sylt-Aufenthalte sei der Aufenthalt in der Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca im Juli 2010 aber "sicher unglücklich" gewesen.

Bettina Wulff äußert sich auch zu den Zukunftsplänen des Ehepaares. Sie wolle weiter freiberuflich für den Medizintechnikhersteller Ottobock arbeiten, für den sie bereits bei den Paralympics in London im Einsatz war. Außerdem wollten sie und ihr Mann "mindestens in den kommenden drei bis fünf Jahren" in Großburgwedel bleiben.

Ihren Mann nehme sie jetzt stärker fürs Familienleben in die Pflicht. Sie habe ihm schon mehrfach gesagt: "Jahrelang hat die Uhr nach deinem Takt geschlagen und jahrelang haben wir uns als Familie nach deinem Leben gerichtet. Jetzt ist es doch eine Selbstverständlichkeit, dass du mehr Präsenz zeigst und auch wir anderen in den Vordergrund rücken." Bei ihrem Mann habe sich diesbezüglich die Einstellung inzwischen "etwas gewandelt", er sei für seine Kinder inzwischen "mehr denn je" da.

AFP