HINTERGRUND: Im Organspende-Skandal drohen harte Strafen

9. August 2012, 11:28 Uhr

Sollte sich im Organspenden-Skandal bestätigen, dass Ärzte gegen Geld Patienten bevorzugt eine Spenderleber verschafft haben, drohen den Beteiligten empfindliche Haftstrafen.

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Sollte sich im Organspenden-Skandal bestätigen, dass Ärzte gegen Geld Patienten bevorzugt eine Spenderleber verschafft haben, drohen den Beteiligten empfindliche Haftstrafen. Die Staatsanwaltschaften ermitteln derzeit gegen zwei Göttinger Mediziner wegen des Verdachts der Bestechlichkeit sowie des Totschlags. Empfänger von Spenderlebern und deren Vermittler müssen sich womöglich wegen Bestechung verantworten.

Grundlage für die Ermittlungen wegen Korruption ist der Paragraph 332 des Strafgesetzbuches (StGB). Er sieht eine Haft von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bei Bestechlichkeit vor. Das Strafmaß kann sich nach Paragraph 335 StGB aber auch auf zehn Jahre verdoppeln, wenn ein besonders schwerer Fall vorliegt. Diese Wertung ist abhängig von den Summen, die vermögende Patienten für eine Vorzugs-Leber bezahlt haben könnten. Ab 10.000 Euro gehen die Korruptionsermittler von einem besonders schweren Fall aus, wie eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Braunschweig sagte.

Viel schwerer wiegt jedoch der Verdacht eines Tötungsdelikts. Die Staatsanwälte prüfen, ob in einem der 23 Fälle ein Patient sterben musste, weil er wegen Manipulationen bei den Krankenakten auf der Transplantationsliste nach unten rutschte und deshalb eine Spenderleber nicht mehr rechtzeitig bekam. Gelingt dieser Nachweis, drohen den Ärzten laut Paragraph 212 StGB wegen Totschlags fünf bis 15 Jahre Haft, in einem besonders schwerem Fall sogar lebenslänglich.

Die Agenturbetreiber, die wohltuend Kranke vermittelten, müssen je nach Schwere der Fälle mit bis zu zehn Jahre Haft wegen Bestechung rechnen. Die Empfänger vom Spenderlebern, die womöglich in Todesangst handelten, dürften dagegen womöglich mit milderen Strafen davonkommen.

AFP