16. November 2012, 21:33 Uhr

Israel bereitet offenbar Gaza-Bodenoffensive vor

Offenbar in Vorbereitung einer Bodenoffensive hat Israel am Abend alle großen Verkehrsadern um den Gazastreifen abgesperrt.

Offenbar in Vorbereitung einer Bodenoffensive hat Israel am Abend alle großen Verkehrsadern um den Gazastreifen abgesperrt. Die Straßen befänden sich jetzt in einem "geschlossenen Militärgebiet" und seien für den Zivilverkehr gesperrt, sagte ein Armeesprecher. Wie Kabinettssekretär Zvi Hauser mitteilte, wird die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten für einen Einsatz gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas angestrebt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte eine Reise in die Palästinensergebiete an.

AFP-Reporter berichteten, dass die Armee entlang dem Gazastreifen bedeutende Truppenkontingente und schweres Militärmaterial zusammenziehe. Ein ranghoher Regierungsbeamter sagte AFP, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Abend im Verteidigungsministerium in Tel Aviv sein Sicherheitskabinett versammelt habe. Bei der Sitzung gehe es um eine mögliche Verstärkung des Militärangriffs.

Israel begann mit der Mobilisierung von 16.000 Reservisten zur Stärkung des Einsatzes "Säule der Verteidigung" gegen die Hamas. Später kündigte ein Sprecher von Verteidigungsminister Ehud Barak weitere Mobilisierungen an. Dem 75.000-Mann-Vorschlag müssen noch alle Kabinettsmitglieder zustimmen. Am Donnerstag hatte das Kabinett die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten gebilligt.

Erstmals seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen am Mittwoch schlug in unbewohntem Gebiet der Siedlung Gusch Ezion im Westjordanland im Großraum von Jerusalem eine Rakete ein. Vor der Küste Tel Avivs ging in nur 200 Metern Entfernung eine Rakete im Meer nieder. In beiden Städten wurde Luftalarm ausgelöst, verletzt wurde niemand.

Am Donnerstag waren im Großraum von Tel Aviv erstmals seit zwei Jahrzehnten Raketen eingeschlagen. Am Freitagmorgen hatte sich Israel zu einer Waffenruhe während eines Kurzbesuchs von Ägyptens Regierungschef Hischam Kandil im Gazastreifen bereit erklärt - unter der Bedingung, dass die Hamas ihre Angriffe einstelle. Später warf Israel der Hamas vor, die Feuerpause nicht einzuhalten.

Die Gesundheitsdienste der im Gazastreifen regierenden Hamas teilten unterdessen mit, bei einem neuerlichen Luftangriff der israelischen Armee seien vier palästinensische Zivilisten getötet worden. Ziel war demnach das Lager Maghasi im Zentrum des Gazastreifens. Bei einem offenbar gezielten Angriff der israelischen Luftwaffe auf ein Auto in Gaza-Stadt wurden den Angaben zufolge ein Palästinenser getötet und zwei weitere schwer verletzt. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit Beginn der israelischen Militäroffensive am Mittwoch auf 31.

Seit Mittwoch flog Israel nach Angaben der Armee rund 500 Luftangriffe. Im selben Zeitraum feuerte die Hamas demnach knapp 300 Raketen auf israelisches Gebiet ab. Drei Israelis starben.

Im Westjordanland gingen tausende Palästinenser aus Protest gegen Israels Offensive auf die Straße. Der bewaffnete Arm der Hamas richtete nach Angaben eines Mitglieds, das nicht namentlich genannt werden wollte, einen "Kollaborateur" hin, der Israel über Raketenstellungen der Hamas informiert habe.

Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs kündigte an, Ban werde "in Kürze" in den Gazastreifen reisen. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bestätigte den Plan. Nach seinen Angaben soll der Besuch "in zwei oder drei Tagen" stattfinden. Laut UN-Diplomaten will Ban auch nach Jerusalem reisen.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi verurteilte Israels Vorgehen als "unverhüllten Angriff auf die Menschlichkeit" und sicherte den Palästinensern die Solidarität seines Landes zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief Mursi auf, seinen "Einfluss auf die Hamas geltend zu machen".

AFP