Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas haben sich die Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe zunächst zerschlagen.
Im Konflikt zwischen Israel und der Hamas haben sich die Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe zunächst zerschlagen. In der Nacht zum Sonntag bombardierte Israel aus der Luft und auch vom Mittelmeer aus Ziele im Gazastreifen, darunter auch zwei Medienzentren in Gaza. Gleichzeitig ging die Suche nach einem diplomatischen Ausweg weiter.
Die nächtlichen Angriffe auf die Mediengebäude galten in erster Linie den Fernsehsendern Al-Kuds TV und Al-Aksa TV, die der radikalislamischen Hamas-Regierung im Gazastreifen nahestehen. Mindestens sechs Journalisten wurden nach palästinensischen Angaben verletzt. Zwei Kinder starben demnach bei Angriffen im Norden des Palästinensergebiets. Insgesamt starben seit Beginn der israelischen Operation "Säule der Verteidigung" am Mittwoch knapp 50 Palästinenser und drei Israelis.
Mit zahlreichen gezielten Angriffen hatte die israelische Luftwaffe bereits am Samstag mehrere Raketensilos sowie Regierungsgebäude der Hamas zerstört, darunter auch den Amtssitz von Regierungschef Ismail Hanija. Die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen antworteten mit neuem Raketenbeschuss. Der Armee gelang es, mit einer gerade erst installierten Luftabwehrbatterie eine Rakete iranischer Bauart beim Anflug auf Tel Aviv abzufangen. Gleichzeitig intensivierte sie ihre Vorbereitungen für eine Bodenoffensive im Gazastreifen.
Angesichts einer drohenden Neuauflage des Gazakriegs der Jahre 2008 und 2009 vervielfachten alle Staaten mit Einfluss in Nahost ihre Bemühungen, den Konflikt zu entschärfen. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefonierten mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Ägyptens Staatschef Mohammed Mursi. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius trat eine Reise nach Israel und ins Westjordanland an, um dort mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu sprechen.
Nach Angaben aus Obamas Regierung befürwortete Netanjahu eine Deeskalation des Konflikts - unter der Bedingung, dass die Hamas ihren Raketenbeschuss einstelle. Die Hamas fordert im Gegenzug von Israel, seine Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Tatsächlich berichtete die israelische Armee in der Nacht zum Sonntag, dass seit 21.00 Uhr keine Raketen mehr auf israelisches Gebiet abgefeuert worden seien. Allerdings heulten am Morgen im Süden Israels erneut die Sirenen.
Am Vorabend noch hatte Mursi Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe geweckt. Er stehe mit den Konfliktparteien in engem Kontakt, sagte er nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Kairo. Es gebe "Indizien" für eine baldige Übereinkunft. Der im Exil lebende Hamas-Chef Chaled Maschaal, der sich ebenfalls in Kairo aufhielt, bezweifelte jedoch, dass Israel eine Waffenruhe einhalten werde.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, kündigte für spätestens Montag einen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen an. Bei einer Dringlichkeitssitzung in Kairo beschlossen die Außenminister der Liga zudem die Einsetzung einer Kommission, die den Sinn der bisherigen arabischen Initiativen im Friedensprozess mit Israel überprüfen soll.
Seit Mittwoch feuerten radikale Palästinenser israelischen Angaben zufolge mehr als 600 Raketen auf israelisches Gebiet ab, von denen über 240 abgefangen worden seien. Ihrerseits beschoss die israelische Luftwaffe demnach über 950 Ziele im Gazastreifen.