Mit gezielten Angriffen auf Regierungsgebäude der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas hat Israels Luftwaffe ihre Offensive im Gazastreifen fortgesetzt.
Mit gezielten Angriffen auf Regierungsgebäude der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas hat Israels Luftwaffe ihre Offensive im Gazastreifen fortgesetzt. Der Hauptsitz der Regierung wurde laut Hamas mehrfach getroffen, Augenzeugen berichten von schwersten Schäden. Während Israel weiter eine mögliche Bodenoffensive vorbereitet, richten Politiker aus aller Welt Appelle der Mäßigung an die Konfliktparteien.
Israels Luftwaffe habe in der Nacht den Sitz von Regierungschefs Ismail Hanija beschossen, teilte auch die Armee mit. Insgesamt hätten die Angriffe 85 "Terrorzielen" gegolten, darunter Werkstätten zum Bau von Raketen. Weitere Ziele waren demnach die Polizeizentrale der Hamas im Westen von Gaza und andere Einrichtungen der Sicherheitsbehörden.
Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurden allein in der Nacht zum Samstag etwa 180 Luftangriffe geflogen. Der Armee zufolge gab es seit dem Beginn von Israels Offensive am Mittwoch mehr als 830 Angriffe auf den Gazastreifen. Radikale Palästinensergruppen im Gazastreifen hätten seither mehr als 350 Raketen abgefeuert, von denen mehr als 200 abgefangen worden seien, sagte eine israelische Militärsprecherin.
Bei den Angriffen wurden im Gazastreifen am Samstag laut palästinensischen Rettungskräften mindestens acht Palästinenser getötet. Die israelische Armee berichtet von vier leicht verletzten Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen. Seit Mittwoch wurden nach Angaben beider Seiten 38 Palästinenser und drei Israelis getötet.
Am Donnerstag und Freitag hatten Raketen erstmals die Großräume von Tel Aviv und Jerusalem erreicht. Die israelische Regierung leitete daraufhin die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten ein und intensivierte damit die Vorbereitungen für eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen. Korrespondenten berichteten unter anderem von Panzern, die an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen würden.
US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi, um nach Wegen zu suchen, die Lage zu entschärfen, wie das Weiße Haus mitteilte. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan warf Israel vor, die Waffenruhe gebrochen und den Konflikt provoziert zu haben.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte nach einem Telefonat mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, angesichts der gefährlichen Lage seien "Besonnenheit und Mäßigung auf allen Seiten dringend erforderlich". Die Außenminister der Liga wollen am Nachmittag Samstag in Ägyptens Hauptstadt Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.
Die iranische Regierung forderte eine Vergeltungsaktion der islamischen Welt gegen Israel. Die "Verbrechen der zionistischen Regierung" könnten nur durch "eine revolutionäre Vergeltungsmaßnahme der muslimischen Welt" beendet werden, sagte Verteidigungsminister Ahmed Wahidi laut amtlicher Nachrichtenagentur Irna.