Israel droht mit Ausweitung der Gaza-Offensive

18. November 2012, 18:28 Uhr

Im Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas gibt es vorerst keine Anzeichen für eine schnelle Waffenruhe.

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Im Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas gibt es vorerst keine Anzeichen für eine schnelle Waffenruhe. Während der Beschuss Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen am Wochenende anhält, setzt Israel seine Luftangriffe auf das Palästinensergebiet fort und droht mit einer Ausweitung des Militäreinsatzes. Großbritannien warnte indes eindringlich vor einer israelischen Bodenoffensive.

Nachdem Israels Luftwaffe am Samstag mit gezielten Angriffen Raketenstellungen sowie Regierungsgebäude der Hamas zerstörte, darunter auch den Amtssitz von Regierungschef Ismail Hanija, richteten sich die Angriffe in der Nacht zum Sonntag gegen die Fernsehsender Al-Kuds TV und Al-Aksa TV, die der Hamas-Regierung nahestehen. Mindestens acht palästinensische Journalisten wurden verletzt. Wie AFP-Reporter berichteten, wurde Gaza auch von der israelischen Marine beschossen. Die Weltgesundheitsorganisation forderte derweil umgerechnet 7,8 Millionen Euro für die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten.

Die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen setzten ihren Raketenbeschuss auf Israel fort. In der Stadt Aschkelon wurden am Sonntag nach israelischen Angaben zwei Menschen durch einen Raketeneinschlag leicht verletzt. In Schaar Hanegev gab es demnach durch eine Rakete einen Schwerverletzten.

In der Metropole Tel Aviv gab es am Sonntag den vierten Tag in Folge Luftalarm. Die israelische Polizei teilte mit, über der Stadt seien zwei Raketen abgefangen worden. Der bewaffnete Arm der Hamas gab an, eine Rakete vom Typ Fadschr 5 aus iranischer Produktion auf Tel Aviv abgefeuert zu haben. Am Nachmittag wurde eine weitere Rakete über Tel Aviv abgefangen, teilte die Armee über Twitter mit.

Seit Mittwoch starben in dem Konflikt nach Angaben der beiden jeweiligen Seiten bislang 52 Palästinenser und drei Israelis. Am Sonntag wurden nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen sechs Menschen getötet, darunter vier Kinder. Während Israel nach Armeeangaben bislang 950 Ziele im Gazastreifen bombardierte, wurden aus dem Gebiet mindestens 799 Raketen nach Israel abgefeuert, von denen 273 vom Luftabwehrsystem "Iron Dome" abgefangen wurden.

Trotz der anhaltenden Gewalt erklärte ein ranghoher Palästinenservertreter, eine Waffenruhe könne kurz bevorstehen. Es gebe "ernsthafte Gespräche", eine Einigung sei noch am Sonntag oder Montag möglich. Ägyptische Kreise bestätigten die Angaben. Ägypten sei in intensiven Gesprächen mit beiden Seiten, hieß es demnach. Israels Präsident Schimon Peres begrüßte die ägyptischen Bemühungen am Sonntag im britischen Sender Sky News, warf der Hamas aber vor, die Vorschläge zu torpedieren.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte erneut mit einer Ausweitung der Militäroffensive. Der britische Außenminister William Hague warnte kurz darauf eindringlich vor einer israelischen Bodenoffensive. Dies würde Israel ein großes Maß an internationaler Unterstützung und Sympathie kosten, sagte Hague gegenüber Sky News.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte von Ägypten und der Arabischen Liga, "auf die Machthaber in Gaza einzuwirken, die Raketenangriffe zu stoppen". Frankreichs Außenminister Laurent Fabius traf derweil zu Gesprächen mit beiden Seiten im Nahen Osten ein. Der Chef der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, kündigte für Dienstag einen Solidaritätsbesuch im Gazastreifen an. Der Iran forderte derweil islamische Länder auf, Waffen an die Palästinenser zu liefern.

AFP