Kampusch-Entführer hatte keine Komplizen

15. April 2013, 17:58 Uhr

Der Entführer von Natascha Kampusch hatte keinen Komplizen: Zu diesem Ergebnis kommt eine abschließende internationale Untersuchung des spektakulären Entführungsfalls, der im Jahr 2006 weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.

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Der Entführer von Natascha Kampusch hatte keinen Komplizen: Zu diesem Ergebnis kommt eine abschließende internationale Untersuchung des spektakulären Entführungsfalls, der im Jahr 2006 weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. "Die Evaluierung hat ergeben, dass Wolfgang Priklopil die Entführung mit hoher Wahrscheinlichkeit allein durchgeführt hat", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, bei der Vorstellung des Berichts in Wien. Alle Elemente stützten die Einzeltäter-Theorie.

Kampusch wurde 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg gekidnappt und acht Jahre lang von Priklopil in einem Kellerverlies bei Wien gefangengehalten, bis ihr im August 2006 die Flucht gelang. Ihr Peiniger beging am selben Tag Selbstmord. Die heute 25-Jährige hatte stets bekräftigt, dass Priklopil keine Helfer hatte, doch wollten die Gerüchte über Helfer oder Mitwisser nicht verstummen. Daraufhin hatte das Parlament im vergangenen Jahr die internationale Untersuchung in Auftrag gegeben. An ihr beteiligten sich neben Ermittlern des österreichischen Justiz- und Innenministeriums vier Experten des BKA und der US-Bundespolizei FBI.

Laut Ziercke deuteten keine der DNA-Proben aus dem Haus, in dem Kampusch festgehalten wurde, auf einen Mittäter hin. Die Aussage einer jungen Zeugin, die im Wagen des Kidnappers zwei Männer gesehen haben wollte, stellte sich demnach als Verwechslung heraus. Auch gebe es keine Beweise für Annahmen, Priklopil habe Kontakte zu Prostitutions- oder Kinderporno-Ringen gehabt. Dennoch kritisiert der Abschlussbericht eine Reihe von Fehlern und Fehlurteilen bei den früheren Ermittlungen.

Für ihre Untersuchung befragten die Experten erneut 84 Zeugen. Auf eine weitere Befragung von Kampusch und Priklopils engem Freund Ernst Holzapfel verzichteten sie angesichts der bereits vorhandenen umfassenden Aussagen jedoch.

AFP