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10. Dezember 2010, 00:09 Uhr

Frauen-Duo Espinosa und Figueres führt Klimakonferenz zum Erfolg

Lange nach Mitternacht wurde es auf der UN-Klimaschutzkonferenz noch einmal dramatisch: Die mexikanische Konferenzpräsidentin, Außenministerin Patricia Espinosa, setzte sich beherzt über den Widerspruch des bolivianischen Chefdelegierten Pablo Solón hinweg, der sich den Beschlüssen von Cancún in den Weg stellen wollte.

Lange nach Mitternacht wurde es auf der UN-Klimaschutzkonferenz noch einmal dramatisch: Die mexikanische Konferenzpräsidentin, Außenministerin Patricia Espinosa, setzte sich beherzt über den Widerspruch des bolivianischen Chefdelegierten Pablo Solón hinweg, der sich den Beschlüssen von Cancún in den Weg stellen wollte. Das war nicht ganz im Sinne des Konsensprinzips der UNO, doch schien dies - außer Bolivien - kaum jemanden zu stören. Ob USA, China, EU oder Kuba und Venezuela, zu groß war der Wunsch, endlich Ergebnisse zu bekommen.

Von einem "großen Erfolg" sprach anschließend der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen, von "guten Resultaten" EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard. Sie zeigte sich fast überrascht, dass die EU so gut wie alle ihre Verhandlungsziele durchgesetzt habe: das Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad, die Anerkennung der Tatsache, dass dafür die bisherigen Zusagen zur Emissionsminderung nicht ausreichen, die Option auf eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls nach 2012.

Doch erreicht wurde in Cancún noch mehr: Ein Grüner Klima-Fonds soll ab 2020 jährlich mit 100 Milliarden Dollar ausgestattet werden, um besonders von den Folgen der Erderwärmung betroffene Länder bei Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen zu unterstützen. Das war eine Kernforderung der Entwicklungsländer. Auch der Waldschutz wird auf eine neue, breitere Grundlage gestellt. Nach zwei durchwachten Nächten hatten die Unterhändler aus mehr als 190 Staaten damit den Fortgang des UN-Klimaschutzprozesses gesichert.

Freilich war die Latte vorab niedrig gehängt worden: Das rechtlich bindende Abkommen, das eigentlich 2009 in Kopenhagen beschlossen werden sollte, soll jetzt frühestens auf der nächsten Klimakonferenz 2011 in Durban kommen, eher aber wohl noch später. "Das waren erste Schritte, weitere müssen folgen", sagte Röttgen. In erster Linie wurden in Cancún die Scherben von Kopenhagen zusammengekehrt und die Inhalte der damals am Veto einzelner Staaten gescheiterten Kopenhagen-Übereinkunft in das UN-Regelwerk übertragen - ohne allerdings den Namen der damals bei vielen Entwicklungsländern verhassten Vereinbarung noch einmal zu gebrauchen.

Von konkreten, bindenden Emissionszielen war jedoch in Cancún kaum die Rede. Insofern hatte der Bolivianer Solón bei aller Kritik an seinem Vorgehen in der Sache schon einige gute Argumente: "Bolivien ist nicht bereit, ein Dokument zu unterzeichnen, das einen Temperaturanstieg auslöst, der mehr Menschen dem Tod näher bringt", begründete er den Blockadeversuch seiner Regierung. Bei den bislang vorliegenden Emissionszielen werde die Temperatur auf der Erde um rund vier Grad ansteigen - mit katastrophalen Folgen.

Trotzdem zeigten sich auch die sonst oft kritischen Umweltverbände mit dem Ausgang von Cancún zufrieden. Jetzt sei der Fortgang des UN-Klimaschutzprozesses gesichert, sagte der Politische Direktor von Germanwatch, Christoph Bals. Dabei müsse dann allerdings beim Treibhausgas-Ausstoß nachgebessert werden. Auch Greenpeace sprach von "wichtigen Schritten vorwärts". Die Texte erhalten "nicht alles, was gebraucht wird, um dem Klimawandel zu begegnen", kommentierte die Organisation Oxfam. Sie seien aber ein Signal, dass es die Welt mit einem neuen Klimaschutzabkommen ernst meint.

Zumindest mitverantwortlich für den versöhnlichen Abschluss in Cancún war die geschickte Verhandlungsführung Espinosas im Bund mit der neuen Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres. Anders als der dänischen Regierung in Kopenhagen gelang es den beiden Frauen, allen Delegationen - mit Ausnahme Boliviens - das Gefühl zu geben, gut in die Entscheidungsprozesse eingebunden zu sein. Auf UN-Ebene ungewohnte Standing Ovations für die Mexikanerin waren die Folge. Sie selbst sagte: "Wir sollten diese Konferenz nicht als ein Ende sehen, sondern als einen Anfang."

AFP
 
 
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