18. November 2012, 16:08 Uhr

HINTERGRUND: Konkurrierende Palästinensergruppen in Gaza

Die radikalislamische Hamas hat im Jahr 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernommen.

Die radikalislamische Hamas hat im Jahr 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernommen. Mit der Palästinenserorganisation rivalisieren in dem Küstenstreifen am Mittelmeer jedoch zahlreiche weitere bewaffnete Gruppen, die der Hamas unter anderem Schwäche gegenüber Israel vorwerfen. Sie sind für verschiedene Entführungen verantwortlich und auch im aktuellen Konflikt aktiv.

HAMAS:

Die Palästinenserorganisation wurde 1987 gegründet. Nach Angaben des International Institute for Strategic Studies (IISS) verfügt die Gruppe über 20.000 Kämpfer. Etwa die Hälfte davon gehört dem bewaffneten Arm, den ESSEDIN-AL-KASSAM-BRIGADEN, an. Die Brigaden traten erstmals 1991 während der Ersten Intifada in Erscheinung und sind nach einem der Väter der Arabischen Revolte 1936-39 während der britischen Mandatszeit benannt. Ihre Waffen werden in den Gazastreifen geschmuggelt oder sind selbstgebaut und bestehen aus Minen, Raketen, Granaten und leichteren Waffen.

Die Brigaden erklärten Ende vergangenen Jahres, mehr als tausend Angriffe gegen Israel vorgenommen zu haben, darunter 87 Selbstmordanschläge. Mehr als 1300 Israelis sollen dabei getötet und mehr als 6400 verletzt worden sein. In den vergangenen Tagen bekannten sie sich zu Raketenabschüssen von mehr als 60 Kilometern nach Tel Aviv sowie Jerusalem und damit der größten Distanz, die im Nahost-Konflikt jemals von palästinensischen Raketen zurückgelegt wurde. Die Hamas selbst verfügt zudem über weitere 10.000 Mitglieder, die den Sicherheitskräften der Organisation angehören.

ISLAMISCHER DSCHIHAD:

Die Gruppe wurde 1980 gegründet und ist die erste Gruppe palästinensischer Islamisten, die sich dem bewaffneten Kampf verschrieb. Der Islamische Dschihad ist der kleinere Rivale der Hamas. Zu ihm zählen die AL-KUDS-BRIGADEN, die nach eigenen Angaben über 8000 Männer verfügen. Am Donnerstag bekannten sich die Brigaden zum Start einer iranischen Fadschr-5-Rakete auf Tel Aviv.

VOLKSWIDERSTANDSKOMITEES:

Im September 2000 von Sicherheitselementen der Fatah, der Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, gegründet, handelt es sich um eine radikale Gruppe, deren bewaffneter Arm die AL-NASSER-SALADIN-BRIGADEN sind. Die Gruppe setzt sich vor allem durch Abtrünnige anderer islamistischer Gruppen zusammen. Sie war an der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit 2006 beteiligt, der 2011 im Austausch für 1027 palästinensische Gefangene freikam.

SALAFISTISCHE DSCHIHADISTEN:

Sie werfen der Hamas Schwäche gegenüber Israel vor und treten für die Anwendung des islamischen Rechts ein. Zu ihr zählen einige hundert Mitglieder, die desillusioniert von der Hamas und anderen Gruppen sind und eigene Organisationen gründeten. Zu den bekanntesten zählt die ARMEE DES ISLAM, die dem einflussreichen Doghmusch-Clan im Gazastreifen nahesteht. Die Gruppe war ebenfalls an der Schalit-Entführung beteiligt, 2007 entführte sie den BBC-Journalisten Alan Johnston, der vier Monate später von der Hamas befreit wurde.

Bewaffnete Gruppen der PALÄSTINENSISCHEN BEFREIUNGSORGANISATION (PLO):

Der PLO unterstehen weiterhin bewaffnete Gruppen wie die AL-AKSA-MÄRTYRER-BRIGADEN und die ABU-ALI-MUSTAPHA-BRIGADEN, dem bewaffneten Arm der VOLKSFRONT ZUR BEFREIUNG PALÄSTINAS. Die Gruppe hat sich zu einem Raketenbeschuss auf ein israelisches Militärfahrzeug am 10. November bekannt. Seit der Machtübernahme durch die Hamas im Gazastreifen haben die Gruppen dort aber nicht mehr viel Einfluss.

AFP