Kritik an US-Regierung wegen Bengasi-Attacke

10. Oktober 2012, 21:23 Uhr

Einen Monat nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi gerät die Regierung von Präsident Barack Obama zunehmend in die Kritik.

2 Bewertungen

Einen Monat nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi gerät die Regierung von Präsident Barack Obama zunehmend in die Kritik. In einer Kongressanhörung wurden in Washington Vorwürfe wegen Sicherheitslücken in Bengasi sowie der diffusen Informationspolitik nach der Attacke am 11. September laut. Die US-Behörden stufen den Angriff als Terrorakt ein und vermuten eine Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida, die Einzelheiten sind aber noch immer unklar.

Ein ranghoher US-Sicherheitsbeamter sagte vor dem Untersuchungsausschuss im Repräsentantenhauses aus, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Bengasi trotz der riskanten Lage "schwach" gewesen seien. Gezielte Angriffe auf westliche Personen und Einrichtungen hätten zugenommen, sagte Oberstleutnant Andrew Wood, der in der libyschen Hauptstadt Tripolis als Leiter eines Sicherheitsteams stationiert war. Gegen US-Botschafter Chris Stevens, der bei der Attacke in Bengasi zusammen mit drei Mitarbeitern getötet worden war, seien direkte Drohungen ausgesprochen worden.

Die Präsenz von Al-Kaida in Libyen wachse "täglich", sagte Wood. "Sie sind dort sicherlich etablierter als wir es sind." Der republikanische Abgeordnete Darrell Issa, der dem Ausschuss vorsitzt, befand: "Das Sicherheitsniveau des Anwesens war den bestehenden Drohungen nicht angemessen." Vergangene Woche hatte Issa dem Außenministerium bereits vorgeworfen, vor der Attacke eine Bitte der Diplomaten in Libyen um Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen in Bengasi abgelehnt zu haben.

Das US-Außenministerium wies die Kritik zurück. Die für den Schutz von diplomatischen Einrichtungen zuständige Spitzenbeamtin Charlene Lamb sagte bei der Anhörung, das Ministerium sei überzeugt gewesen, die "richtige Anzahl" an Sicherheitspersonal in Bengasi im Einsatz zu haben. Staatssekretär Patrick Kennedy wehrte sich unterdessen gegen Vorwürfe, das Außenministerium habe zunächst bewusst verschwiegen, dass es sich bei dem Angriff um einen Terroranschlag gehandelt habe.

Obamas Regierung hatte die Attacke zunächst mit den antiamerikanischen Protesten in muslimischen Ländern gegen ein in den USA produziertes islamfeindliches Video in Verbindung gebracht. In einer späteren Version hieß es dann, die Tat habe einen terroristischen Hintergrund. Kennedy sagte vor dem Kongress, dass sich die von den Geheimdiensten gelieferte Informationslage ständig verändert habe. "Offenkundig wissen wir heute mehr als wir am Sonntag nach dem Angriff wussten", sagte er.

AFP