In Libyen hat nach den Worten von Muammar el Gaddafi nicht er selbst, sondern das Volk in Wahrheit die Macht.
In Libyen hat nach den Worten von Muammar el Gaddafi nicht er selbst, sondern das Volk in Wahrheit die Macht. "Bereits seit 1977 übt das Volk die Macht aus", sagte Gaddafi am Mittwoch in Tripolis bei einer öffentlichen Zeremonie zum Gedenken an die von ihm selbst ausgerufene "Herrschaft der Massen" vor 34 Jahren. "Die Welt muss diese Wahrheit verstehen: Es ist kein Platz für einen Präsidenten, einen König oder einen Anführer in unserem System", fügte er laut der im Fernsehen übertragenen Rede hinzu. "Ich selbst und die Offiziere haben damals dem Volk die Macht übertragen."
Gaddafi hatte sich im September 1969 unblutig an die Macht geputscht und 1977 die "Herrschaft der Massen" ausgerufen. Der Staat soll sich demnach selbst regieren, weshalb sich Gaddafi auch nie Staatschef nennen ließ. Bereits in seiner bizarren Rede im Staatsfernsehen am vergangenen Dienstag hatte Gaddafi betont, er habe gar keinen offiziellen Posten, von dem er zurücktreten könne.
In Libyen dauert der Volksaufstand gegen den seit vier Jahrzehnten herrschenden Gaddafi in allen Landesteilen seit mehr als zwei Wochen an. Die Demonstranten fordern Gaddafis Rücktritt, der sich jedoch weiter an die Macht klammert.
Bei seinem Auftritt am Mittwoch drohte Gaddafi erneut damit, "bis zum letzten Mann und bis zur letzten Frau kämpfen" zu wollen. Er machte abermals das Terrornetzwerk El Kaida für die Revolte in seinem Land verantwortlich und bestritt dann, dass es überhaupt Demonstrationen gebe. Bereits zuvor hatte er wiederholt behauptet, die zahlreichen Toten bei den Protesten gingen auf das Konto "terroristischer Banden" von El Kaida.