Die Staatssicherheit der DDR hat neuen Erkenntnissen zufolge in den 50er und 60er Jahren mit immensem Aufwand versucht, alles über die Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen.
Die DDR-Staatssicherheit hat neuen Erkenntnissen zufolge in den 50er und 60er Jahren mit immensem Aufwand versucht, alles über die Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Wie eine am Mittwoch in der Hauptstadt vorgestellte Studie der Freien Universität Berlin ergab, blieb das durch Stasi-Informanten gesammelte enorme Detailwissen aber angesichts der Größe und der Struktur der Polizei in West-Berlin lückenhaft. Auch gelang es demnach dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nicht, in die Leitungsebene der Polizei im Westteil der Stadt einzudringen.
Die vom MfS angestrebte Infiltration der West-Berliner Kriminalpolizei schlug ebenfalls fehl, wie die Studie weiter ergab. Die Beschaffung von Informationen durch den ehemaligen West-Berliner Kripobeamten Karl Heinz Kurras, der im Mai 2009 als inoffizieller MfS-Mitarbeiter enttarnt wurde, war demnach ein Ausnahmeerfolg des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Auch sei das MfS im Untersuchungszeitraum bis 1972 nicht in der Lage gewesen, in seinem Sinne Einfluss auf das Dienstgeschehen oder gar auf Entscheidungsvorgänge innerhalb der West-Berliner Polizei auszuüben.
Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte die Untersuchung beim Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität nach Bekanntwerden der Stasi-Tätigkeit von Kurras in Auftrag gegeben. Kurras hatte im Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg am Rande einer Demonstration in West-Berlin erschossen, vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde er später freigesprochen.
Glietsch erklärte, es sei davon auszugehen, dass das MfS sein Interesse an der West-Berliner Polizei bis zum Zusammenbruch der DDR 1989 nicht verloren habe. Berlins Polizeipräsident erteilte dem Forschungsverbund daher einen Ergänzungsauftrag, um eine vollständige Aufklärung der MfS-Tätigkeit gegen die West-Berliner Polizei bis zum Ende der DDR zu erreichen.